Nr. 37/2012 vom 13.09.2012

Gustaf Eisens seltsame Passionen

Gustaf Eisens 
seltsame Passionen

Fredrik Sjöberg besitzt eine Sammlung von mehreren Tausend Schwebfliegen. Er hat sie im Laufe von zehn Jahren zusammengetragen – einfach nur, um sich eine «Freude zu bereiten». Schon als Siebenjähriger war Sjöberg nachts mit der Taschenlampe unterwegs, auf der Jagd nach besonderen Schmetterlingen. Doch obwohl er zum Naturforscher prädestiniert schien, hat er sich nach einem Zoologiestudium fürs Schreiben entschieden. An einem schönen Vormittag im Monat Mai habe er mithilfe einer Flasche billigen Rotweins entdeckt, dass seine «Fachrichtung die Naturgeschichte der Sommernacht» sei. Aber: «Die gab es nicht. Also hörte ich auf.»

In «Der Rosinenkönig» erzählt er nicht nur seine eigene Entwicklungsgeschichte, die von Schmetterlingen über Vögel und Fliegen zur Schriftstellerei führte, sondern macht sich auf die Suche nach dem 1940 verstorbenen schwedischen Zoologen Gustaf Eisen. Mit Ausdauer verfolgt er alle Spuren, dennoch bleibt der Mann ein Geheimnis. Regenwurmforscher, Glasperlenexperte, Finder des Heiligen Grals, erster Rosinenbauer in Kalifornien: Immer wieder gab sich Eisen einer neuen Aufgabe hin.

Mit derselben Hingabe verfolgt Sjöberg seinen Landsmann, der mehr und mehr zum Alter Ego des Schriftstellers wird. Die Nachforschungen führen in eine wunderbare Welt, in der alles mit allem zusammenhängt: zu Charles Darwin und August Strindberg, zum Spiritismus, zu Tänzerinnen, Wissenschaftlern und Künstlerinnen, die das späte 19. Jahrhundert geprägt haben und irgendwie alle mit Eisen in Beziehung zu stehen scheinen.

Von Martina Süess

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