Nr. 39/2012 vom 27.09.2012

Von Olten nach Wildwest

Von Anna Wegelin

Der mit vielen kleinen Bildern illustrierte historische Reisebericht «Skidoo» (kalifornische Geisterstadt im Death Valley) von Alex Capus könnte den Ausgangspunkt für einen weiteren historischen Roman des Autors aus Olten mit nordfranzösischen Wurzeln bilden.

Die kurzweiligen sechs Reportagen seiner «Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens», für die Alex Capus wieder gründlich in Archiven und an den Schauplätzen recherchiert hat, beginnen in seiner Heimatstadt an der Aare, und sie führen auch wieder dorthin zurück. Denn Olten, macht uns der Autor auch in seinem neusten Wurf klar, ist und bleibt das Zentrum der Welt.

Das Grenzen und Epochen übergreifende Element ist die Kleinstadt. Mit dem Unterschied, so Capus, «dass amerikanische Kleinstädte nicht in Sichtweite zueinander stehen, sondern durch Weiten voneinander getrennt sind, in denen der gesamte Schwarzwald, die ganze Toskana oder der komplette Alpenbogen Platz fänden». Sogar Flora, Fauna, Topografie und Witterung lassen «jedes menschliche Mass so gänzlich vermissen».

Capus gräbt im US-amerikanischen Niemandsland, das eigentlich den indianischen Urbevölkerungen gehören würde, vergessene Geschichten von Menschen auf der Suche nach Glück und Reichtum aus. Sie waren «Strassenbahnschaffner in Nürnberg oder Polizeiwachtmeister in Paderborn oder Bauernknecht in Niederbipp», aber auch spanische Conquistadores oder brutale Desperados.

Oft beginnt Capus seine Storys mit einer Anekdote: Ein Saloonbesitzer und «Königssäufer» erschiesst einen Freund, der auf der lokalen Bank arbeitet, weil dieser ihm nicht zwanzig Dollar aushändigen will; oder Capus fährt durch die Mojave-Wüste, wo heute TouristInnen für ein Vermögen das Easy-Rider-Feeling nachahmen.

Am Ende hat uns Capus nicht nur eine Geschichte erzählt, wie sie das Leben schreibt, sondern gleich auch die grosse Geschichte von Macht, Politik und Wirtschaft mit auf den Weg gegeben.

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