Nr. 42/2012 vom 18.10.2012

Ein Überblick mit Schlagseite

Von Pit Wuhrer

Schon wieder ein Buch über diesen Konflikt, der die internationale Arbeiterbewegung wie kaum eine andere Auseinandersetzung beschäftigte. Muss das sein? Gibt es nicht schon genug Abhandlungen über den Spanischen Bürgerkrieg? Und war das überhaupt ein Bürgerkrieg? Der Autor Peter Rau rüffelt schon in der Einleitung die Linke für die Verwendung dieses Begriffs, zu Recht. Schliesslich war der Krieg nur in den ersten Tagen eine innerspanische Angelegenheit gewesen. Aber nicht deswegen hat Rau nun ein neues Buch zum Spanienkrieg vorgelegt. Ihm ging es vor allem darum, die Rolle der oft kritisierten KommunistInnen in das – seiner Ansicht nach – richtige Licht zu rücken.

Rau beschreibt in seinem faktenreichen, auf viele Sekundärquellen gestützten Büchlein die wechselhafte Vorgeschichte von der Ersten Republik (1873/1874) über die Ausrufung der Zweiten Republik 1931, deren nicht eingelöste Versprechen, den Sieg der konservativ-republikanischen Kräfte 1933, die Oktoberrevolution 1934 bis hin zum Wahlerfolg der linken Volksfront 1936, gegen die Francisco Franco putschte. Er erläutert, dass ohne die Nichteinmischungspolitik von Britannien und Frankreich, ohne die direkte militärische Unterstützung von Nazideutschland und Mussolinis Italien die Putschisten erfolglos geblieben wären. Und er verschweigt auch nicht die eigennützige Politik der Sowjetunion und die mitunter dubiose Rolle von Stalins Agenten. Das Buch bietet eine verdienstvolle Zusammenfassung der Geschehnisse.

Dennoch hat es eine gewisse Schlagseite. Es konzentriert sich stark auf die militärischen Abläufe, kritisiert die kriegerische Ineffektivität der angeblich (und manchmal tatsächlich) undisziplinierten AnarchistInnen, geisselt die Politik der nichtstalinistischen MarxistInnen (Poum) als «kontraproduktiv» und belächelt deren Bestreben, nicht nur die Republik zu verteidigen, sondern auch die soziale Revolution voranzutreiben. Und es unterschlägt komplett die Frauen, etwa die Mujeres Libres, deren Bedeutung Vera Bianchi in ihrem Buch «Feministinnen in der Revolution» (2003) hervorgehoben hat. Das dürfte heutzutage eigentlich nicht mehr passieren.

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