Nr. 44/2012 vom 01.11.2012

Der gute Kommissar aus Wiedikon

Von Anna Wegelin

Raphael Zehnders Herz schlägt für die Rockmusik. Er arbeitet hauptamtlich als Redaktor beim Schweizer Radio in Basel und schreibt gelegentlich auch für die WOZ. Zwar lebt er schon länger nicht mehr in Zürich, aber die Liebe zur Stadt ist geblieben. So steht in einer Notiz zu seinem Erstlingskrimi «Müller und die Tote in der Limmat»: «Alles in diesem Buch ist erstunken und erlogen, ausser der Stadt Zürich. Sie existiert und ist schön.»

«Müller und die Tote in der Limmat» (Untertitel: «Müller eins») löst einen Fall mit einer Handvoll Toten, deren Spuren ins Musikgeschäft führen. Die eine Tote heisst Sandra Molinari, deren Leiche beim Oberen Letten gefunden wird – von Kommissar Benedikt Müller, der, freiwillig beurlaubt, nicht von seinem Metier lassen kann. Die anderen Toten sind oder waren Mitglieder und Manager der Rockband Spitfire und stürzen im Tourneebus in eine Juraschlucht. Im Epilog kündigt der Erzähler an: «Das Verbrechen zählt nicht, Gerechtigkeit schwimmt immer oben. Das merken Sie dann bei der nächsten Müllergeschichte.» Fortsetzung soll also folgen.

Müller ist ein sympathischer Kerl, ein «vorzüglicher Polizeimann», «nicht besonders mit Muskeln behängt und schon Mitte vierzig». Er lebt in Wiedikon, ist gross und ein guter Kumpel. Nur vielleicht etwas langweilig? Jetzt ist es aber nicht so, dass wir Müller die gute Woche (der Städtekrimi ist nach Tagen gegliedert) auf Schritt und Tritt durch das musikalische Verbrechen im Jahrhundertsommer in Zürich folgen. Gesteuert oder noch eher belabert werden wir vielmehr von einem fast allwissenden Erzähler mit eigentümlicher Sprache, der uns etwas zu oft einhämmert, dass es sich im Fall um einen erfundenen Fall handelt und alles auch ganz anders hätte sein können.

Am Anfang geht einem das gehörig auf den Wecker. Am Schluss findet man sich damit ab und gelangt gar zur Einsicht: Geschichten von Verbrechen gehen selbst dann unter die Haut, wenn sie erstunken und erlogen sind.

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