Nr. 51/2012 vom 20.12.2012

Der Traum vom billigen (Öko-)Bauern

Von Bettina Dyttrich

Für einmal überrascht die Position von Eco­no­mie­suisse. Der Dachverband der Schweizer Wirtschaft warnt sonst vor einer «fahrlässigen Regulierung des liberalen Arbeitsmarkts», fordert billigen Strom oder will die AKWs möglichst lange laufen lassen. Doch in der Agrarpolitik wird die Wirtschaftslobby plötzlich grün: Letzte Woche warben Economiesuisse, der WWF und die Agrarallianz, der Dachverband von ÖkobäuerInnen und Umweltorganisationen, gemeinsam mit Briefen an StänderätInnen für die Abschaffung der Tierbeiträge. Mit Erfolg. Der Ständerat folgte dem Nationalrat und schaffte die Zahlungen ab, die bisher einen Anreiz boten, viele Tiere zu halten.

Klar: Ohne Allianzen geht in der Politik nichts. Aber diese Allianz könnte den Umweltverbänden mehr schaden als nützen: Je grüner sich Economiesuisse und Co. geben, desto misstrauischer werden viele BäuerInnen gegenüber ökologischen Anliegen. Wenn «Ökos» und Wirtschaftslobby nun auch noch direkt zusammenarbeiten, sehen sie ihre Befürchtungen bestätigt.

Denn Economiesuisse hofft auf weniger und billigere BäuerInnen, das lässt sich deutlich aus ihren Communiqués herauslesen. Doch ökologisch bauern heisst nicht einfach weniger tun. Bei der Tierhaltung stimmt es zum Teil: Ein paar Tiere weniger auf der Weide bedeuten weniger Gülle und weniger Zwang, bis zum Waldrand jeden Grashalm zu mähen – also weniger Arbeit, dafür eine vielfältigere Landschaft.

Aber im Ganzen geht die Idee der Laisser-faire-Ökologie nicht auf: Ökologisch bauern würde heissen, mit möglichst wenig fossiler Energie möglichst viele Kalorien zu produzieren. Zum Beispiel mit mehr Erfindungsreichtum im Ackerbau: neue oder vergessene Kulturen ausprobieren und ökologische Alternativen in der Unkraut- und Schädlingsbekämpfung entwickeln. Es würde heissen, die Nutztiere so sorgfältig zu pflegen, dass Antibiotika überflüssig werden. Oder neue Formen der Zusammenarbeit mit KonsumentInnen zu finden. Im Berggebiet das Heu wieder mit dem Rechen zusammenzunehmen und nicht mit dem Laubbläser.

Vieles davon passiert bereits. Das ist ökologisch – aber es bedeutet mehr Arbeit, nicht weniger. Immer billiger und immer ökologischer geht nicht.

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