Nr. 08/2013 vom 21.02.2013

Missionarisch, ohne zu bekehren

Von Anna Wegelin

Ein frommes Gemüt, ein grosses Herz und Grips: Das brauchte es, um für die Mission rekrutiert zu werden. Al Imfeld, Bauernkind aus dem Napfgebiet, hatte das. Er machte die Missionsschule und ging in die Afrika-Mission. «Wir waren besessen von der Vorstellung, kleine Missionare oder Retter zu sein», schreibt er im Band «Auf den Strassen zum Himmel», der Missionsgeschichten aus der Schweiz und aus Afrika beinhaltet und mit Fotografien aus dem Archiv der Bethlehem Mission Immensee bestückt ist. Herausgeberin ist WOZ-Mitarbeiterin Lotta Suter, die eine umfassende Biografie des in Zürich lebenden Theologen, Agrarhistorikers, Literaturvermittlers, Entwicklungsexperten, Journalisten und Geschichtenerzählers Imfeld geschrieben hat.

Die Zeit, als noch missionarische Dogmen wie die der «Heidenbekehrung» oder des Homosexualitätsverbots herrschten, ist Gott sei Dank vorbei, obwohl heute christliche Sekten auf dem Schwarzen Kontinent boomen. Einige der von Imfeld porträtierten KollegInnen, vor allem solche im ehemaligen Rhodesien, leben nicht mehr. Sie sind die letzten ZeitzeugInnen einer schweizerischen Mission, die ihre Spuren auch in Form von Spitälern oder Schulen hinterlassen hat. Aus dem Buch: «Bewegt sich nicht jede Missionsgesellschaft früher oder später ihrer Auflösung zu? Denn wenn man anderes zu achten beginnt, muss vieles gar nicht erst bekehrt werden.»

Die Frage, was Mission heute noch soll, wird gegenwärtig in einer NZZ-Serie behandelt. Da wird zum Beispiel ein Befreiungstheologe porträtiert, der sich für die Rechte der Urbevölkerung im brasilianischen Regenwald einsetzt. Darum geht es Al Imfeld aber nicht. Seine packenden Storys sind eine Ehrerbietung an Menschen, die ihr Leben in den Dienst des Evangeliums stellten. Ganz unterschiedliche Charaktere sind sie; so unterschiedlich, wie auch die Mission damals gewesen sei: eine Brückenbauerin zwischen der nördlichen und der südlichen, der religiösen und der säkularen Welt.

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