Nr. 17/2013 vom 25.04.2013

Ein leerer Tisch

Von Stephan Pörtner

Engelberger schaute auf den Tisch und freute sich. Der Tisch war leer. Ein leerer grosser Tisch an einem trüben, sich beträchtlich gegen Mittag neigenden Morgen. Engelberger wusste, wie einfach es sein würde, diese Harmonie und Perfektion durch Aktivität zu zerstören, denn der Tisch ist im Gegensatz zum Bett ein zur Tätigkeit ermunterndes Möbelstück, und es braucht grosse Disziplin, lange an einem leeren Tisch zu sitzen und nichts zu tun, ausser sich daran zu freuen. Doch heute gelang es ihm endlich, er hielt sich schon seit Sonnenaufgang erfolgreich zurück. Dann aber überkam es ihn, er löschte das Licht und tischte auf.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

Mit Beat Schlatter ist Pörtner derzeit mit «Literaturshow und Tanzmusik» unterwegs. Nächste Termine: Di, 7. Mai 2013, im Tabourettli, Basel (Gast: Altbundesrat Samuel Schmid); Mi, 8. Mai 2013, im Kiff, Aarau.

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