Nr. 19/2013 vom 09.05.2013

Streikbereitschaft bei Amazon

Von Pit Wuhrer

Der US-amerikanische Internetversandhandelskonzern Amazon hat in den vergangenen Monaten einige Schläge hinnehmen müssen: die Empörung über seine Steuervermeidungspraktiken etwa, die in Britannien sogar das Unterhaus beschäftigten. Oder den Aufschrei, den ein Fernsehbericht in Deutschland über die Behandlung von spanischen und osteuropäischen SaisonarbeiterInnen auslöste (siehe WOZ Nr. 8/13). Wie sich das zunehmend negative Image des Unternehmens auf dessen Geschäftsverlauf auswirkt, steht noch nicht fest. Aber eine Aktion dürfte das Unternehmen nicht so leicht wegstecken: den geplanten Streik in gleich zwei seiner deutschen Logistikzentren.

Sowohl in Leipzig wie in Bad Hersfeld hatten in den vergangenen Wochen jeweils 97 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für eine Arbeitsniederlegung votiert. Verdi fordert eine Anhebung des Stundenlohns von derzeit 9,83 Euro auf den im Einzelhandel üblichen Mindestansatz von 12,18 Euro – plus Zulagen. Ganztägige Arbeitsniederlegungen noch diesen Monat könnten den Konzern noch heftiger treffen als die «Shitstorms» der letzten Zeit, hoffen die GewerkschafterInnen. Dann nämlich könne Amazon «sein Kundenversprechen – heute bestellt, morgen geliefert – nicht mehr einhalten».

Übrigens erfährt Amazon derzeit auch von ganz anderer Seite Widerspruch. Der Konzern hatte beim Internetverwalter Icann, der momentan für viel Geld neue Top-Level-Domainnamen akzeptiert, die Websiteendung «.amazon» beantragt. Doch diese Kommerzialisierung geografischer Namen ging der brasilianischen Regierung zu weit: Keine Firma dürfe zu Geschäftszwecken den Amazonas für sich reklamieren, argumentierte sie.

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