Nr. 19/2013 vom 09.05.2013

Testosteron am Berg

Von Karin Hoffsten

Testosteron am Berg

Letzte Woche war ich im Oberwallis. Dort sagte mir ein alter Bergführer, der Ueli Steck sei vermutlich selber schuld, dass er am Everest von Sherpas verhauen wurde. Gewundert hat mich das nicht, denn wenn ich bei einer Schweizer Volksgruppe ethnische Gemeinsamkeiten mit nepalesischen Sherpas vermute, sind es die Walliser. Schliesslich sei das deren Berg, sagte mein Gesprächspartner, der schon viermal auf dem Horu* war, und er hat ja recht.

Inzwischen wurde medial intensiv über die Schlägerei in 7000 Metern Höhe spekuliert. Nicht nur vom Bild des friedvoll in sich ruhenden Sherpa mussten wir uns verabschieden, sondern auch von der Illusion der unverbrüchlich edlen Bergkameradschaft.

Wie immer gehts jetzt um die Frage: «Wer hat angefangen?» Ganz sicher nicht der Ueli, weitherum bekannt als grundehrlich und bescheiden. In der Sendung «10 vor 10» erzählte er am Montagabend: Heissblütig, wie Südländer nun mal seien, habe sein italienischer Kollege einem Sherpa zugerufen: «Motherfucker, what are you doing?» Der wiederum soll zuvor mit dem Eispickel gedroht haben. Also, dafür muss man nun wirklich nicht für teures Geld in den Himalaja, das kann man am Wochenende in Zürcher Clubs billiger haben.

Apropos: Am kommenden Wochenende ist Muttertag!

*Oberwalliser Kosename fürs Matterhorn.

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