Nr. 20/2013 vom 16.05.2013

Entschädigungen für Massaker

Von Pit Wuhrer

Erleben die Opfer des britischen Kolonialregimes in Kenia doch noch eine Art Wiedergutmachung? Jedenfalls hat das britische Aussenministerium, wie nun bekannt wurde, Verhandlungen über Entschädigungszahlungen für bis zu 10 000 KenianerInnen aufgenommen. Die Regierung hatte sich lange Zeit geweigert, die während des antikolonialen Mau-Mau-Aufstands (1952–1956) begangenen Verbrechen an der kenianischen Zivilbevölkerung anzuerkennen. Erst als ein Londoner Gericht im Oktober 2012 die Klage von drei Kenianern zugelassen hatte und erst nachdem jahrzehntelang versteckte Dokumente den Nachweis erbracht hatten, dass London von den Massakern gewusst hatte, gab das Aussenministerium klein bei.

Während des Aufstands waren bis zu 200 000 Angehörige der Kikuyu-, Embu- und Meru-Ethnien in Lager gesperrt; viele wurden gefoltert, vergewaltigt oder kastriert, manche sassen jahrelang gefesselt in Einzelhaft oder wurden bei lebendigem Leib verbrannt; die Zahl der Todesopfer liegt laut offiziellen Angaben bei weit über 10 000. Auch der Grossvater von US-Präsident Barack Obama wurde misshandelt: Britische Folterer trieben Stifte unter seine Fingernägel und quetschten sein Geschlechtsteil mit Eisenstangen. Rund 50 000 Opfer leben noch. Eine Kompensation sollen jedoch nur jene erhalten, die Verletzungen nachweisen können.

Dass die britische Regierung jetzt einen aussergerichtlichen Vergleich anstrebt, hat auch damit zu tun, dass sie die Präzedenzwirkung eines Urteils scheut. Denn nicht nur in Kenia wurden im Zuge der Aufstandsbekämpfung, die das Ende des British Empire verhindern sollte, Menschenrechte verletzt. Es gibt auch genügend Dokumente über massive Misshandlungen in den ehemals britischen Kolonien Aden, Zypern, Swasiland oder Guyana.

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