Nr. 20/2013 vom 16.05.2013

Immer und ewig

Von Karin Hoffsten

Immer und ewig

Dass Jesuswitze heikel und Mohammedwitze gar lebensgefährlich sein können, ist bekannt. Ehepaarwitze hingegen – Frau wartet mit Wallholz hinter der Tür – sind nach wie vor beliebt. Dass aber ein ernsthaftes Infragestellen der Institution Ehe noch Protest auslösen kann, hat mich doch überrascht.

Vor dem Hintergrund des historischen Wandels der Ehe vom Zweckbündnis zum romantischen Konstrukt, schrieb Bettina Weber kürzlich im «Tages-Anzeiger», sei es widersinnig, «etwas so Unberechenbares und Vergängliches wie die Liebe als Grundlage für eine juristische Vereinbarung zu nehmen». Angesichts der hohen Scheidungsrate sowie der wachsenden Zahl unverheirateter Paare, also einer «offensichtlichen Störanfälligkeit des Konstrukts Ehe», fand sie es «bemerkenswert, wie eifersüchtig es verteidigt wird, wie romantisch verklärt».

Und schon erklommen liebende Romantiker die Barrikaden. «Wer wie sie schreibt, (…) schadet jenen, welche die Ehe immer noch als Fundament einer normalen Gesellschaft halten», wusste ein Herr «im 69. Ehejahr». Ein anderer fragte: «Wie kann unsereiner nur so blöd sein und noch an Romantik und Liebe glauben (…)? Kann frau eigentlich noch frustrierter, dümmer und intoleranter argumentieren?»

Ohne Hochzeitsdatum weiss Mann schliesslich nie, wann wieder Rosen fällig sind.

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