Nr. 20/2013 vom 16.05.2013

Metro, schaffen, schlafen

Von Fredi Bosshard (Text) und Gertrud Vogler (Foto)

Es sind Spiegelungen, verregnete Glasfassaden, Wasserlachen, Verzerrungen, die Gertrud Vogler faszinieren, als sie Anfang der achtziger Jahre in La Défense unterwegs ist. Das neu aus dem Boden schiessende Quartier in der Agglomeration von Paris liegt in der verlängerten Achse der Avenue des Champs Élysées. Der Weg dorthin folgt der Avenue de la Grande Armée und der Avenue Charles de Gaulle, überquert die Seine und endet rund acht Kilometer von der Louvre-Pyramide entfernt beim Parvis de la Défense. Dort breitet sich das birnenförmige Quartier aus – das heute in Anlehnung an den Big Apple von New York – von der Pariser Bevölkerung «La Grande Poire» genannt wird: ein Quartier, vollumfänglich für den Dienstleistungssektor gebaut.

Bei ihren Reisen nach Paris zwischen 1982 und 1985 hat die langjährige WOZ-Fotografin und Bildredaktorin Gertrud Vogler dieses Quartier erkundet. Sie hat sich mit den komplexen kubischen Formen und ihren kristallinen Brechungen auseinandergesetzt. Mit ihren Fotografien hat sie nach dem Bild im Bild gesucht, so die architektonische Strenge in der Spiegelung gebrochen und aufgehoben – soweit es geht. Menschen sind kaum zu sehen, falls doch, sind sie schnell unterwegs, werden von spiegelnden Fassaden gekrümmt wie Monsieur Hulot. Die Ball spielenden Kinder sind die Ausnahme.

«Métro, boulot, dodo», der Titel des Buchs sagt alles. Mit der Metro hin und zurück, am einen Ende arbeiten und am anderen schlafen. In La Défense waren 1988 gegen 6000 Unternehmen ansässig, um die fünfzig beschäftigten über 500 Leute, insgesamt waren über 100 000  Angestellte an der Arbeit. Heute sind es 150 000,  und La Défense ist immer noch eines der grössten Wirtschaftszentren Europas. Das Quartier hat das Image eines Vororts verloren. Dem Wohnraum für 20 000  Leute stehen 25 000  Parkplätze gegenüber. La Défense ist hervorragend an den öffentlichen Verkehr angebunden, aber «Métro, boulot, dodo» ist geblieben.
«La Défense: Métro, boulot, dodo» kann zum Preis von 52 Franken (inkl. Versand in der Schweiz) beim WOZ-Shop bestellt werden.

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