Nr. 20/2013 vom 16.05.2013

Ausstellung

Swiss Photo Award

Sie hatte keine leichte Aufgabe, die international besetzte Jury des Swiss Photo Award, EWZ-Selection: Aus 731 eingereichten Arbeiten galt es, in sieben Kategorien je eine Siegerin respektive einen Sieger zu küren. Im Zürcher EWZ-Unterwerk Selnau sind nebst den prämierten weitere ausgewählte Projekte von Schweizer FotografInnen zu sehen.
Die Ausstellung präsentiert sich räumlich wie inhaltlich stark erweitert. Unter anderem mit einer neuen Kategorie: Reportage. Im eigens dafür eingerichteten Raum trifft man auf Namen und Arbeiten, die dem WOZ-Publikum bekannt sein dürften – zum Beispiel Fabian Biasio, dessen mit WOZ-Redaktor Carlos Hanimann verfasste Fotoreportage über den kleinen Mentor es in die engste Auswahl geschafft hat (siehe WOZ Nrn. 16/12 und 19/13). Auch in den weiteren Kategorien Architektur, Fashion, Fine Art, Free, Werbung und Redaktionell gibt es Eindrückliches zu betrachten. So hat Christian Bobst in New York ganz zufällig die letzten Tage von Occupy Wall Street mit der Kamera eingefangen: am Tag vor der Räumung des Zuccotti-Parks in New York City – und am Tag danach. Dafür hat ihm die Jury in der Kategorie Redaktionell den 2. Preis verliehen.
Der Swiss Photo Award bietet die Gelegenheit, mit einer ganzen Reihe von Begleitveranstaltungen das Gesehene zu vertiefen.
Franziska Meister

15. Swiss Photo Award – ewz.selection in: 
Zürich ewz-Unterwerk Selnau, Do, 16. Mai 2013, Vernissage. Ausstellung: Fr, 17. Mai, bis So, 2. Juni 2013. www.ewzselection.ch

Festival

Jazz in Schaffhausen

Das Schaffhauser Jazzfestival hat seit vielen Jahren seinen festen Platz in der Schweizer Jazzszene. Die stimmungsvollen Konzerte im Kammgarn, im Taptab sowie im Haberhaus, wo jeweils auch die Jazzgespräche stattfinden, gehören zum festen Rahmen. Dieses Jahr wird erstmals auch der Kreuzgang zu Allerheiligen geschichtsträchtige Kulisse für Neue Musik. Der Genfer Pianist Jacques Demierre und der Luzerner Saxofonist Urs Leimgruber führen an drei Tagen zusammen mit ihrer Gruppe 6ix+1 die «Kreuzgang-Sonaten» auf. Mithilfe von achtzig Lautsprechern werden dabei die Klänge in alle Winkel der sakralen Umgebung übertragen.
Neben den Auftritten weiterer gestandener Grössen, zu denen inzwischen auch Sylvie Courvoisier, Lucas Niggli, Peter Schärli, Susanne Abbuehl und andere gehören, erhalten junge MusikerInnen mit dem Jazzlabor ein eigenes Forum. Fredy Studers Phall Fatale mit den Sängerinnen Joy Frempong und Joana Aderi sind ein sicherer Wert, und Gerry Hemingways zum Quintett angewachsenes Trio Who könnte einer werden. Gespannt sein kann man auch auf die Gruppen der Pianisten Christoph Stiefel und Yves Theiler, die sich beide zwischen «Action und Abstraktion» bewegen.
Fredi Bosshard

24. Schaffhauser Jazzfestival in: Schaffhausen Kammgarn, Taptab, Kreuzgang zu Allerheiligen, Haberhaus, Mi, 22. Mai, bis Sa, 25. Mai 2013. 
www.jazzfestival.ch

Okkupation!

Dieses Jahr feiert das Theater Hora Züriwerk, das landesweit bekannteste professionelle Theater von und mit Menschen mit einer geistigen Behinderung, seinen 20. Geburtstag. So wird der Gruppe am diesjährigen internationalen Theaterfestival Okkupation! ein Schwerpunkt gewidmet: Zu sehen sind neben dem gerade vom Berliner Theatertreffen zurückgekehrten Erfolgsstück «Disabled Theater» auch eine Jubiläumsrevue, Klassiker aus dem Repertoire sowie ein Endlostanzfilm mit vielen Hora-Mitgliedern aus den letzten zwanzig Jahren.
Wie jedes Jahr präsentiert das Festival «vermeintliche Aussenseiterkunst und international anerkannte Vertreter sogenannt normaler Bühnenkunst»: Behinderte und nicht behinderte KünstlerInnen aus aller Welt befassen sich «mit dem zum Glück immer noch imperfekten Menschen». Dazu okkupieren sie Spielstätten der Hochkultur mit Arbeiten von den Rändern der Gesellschaft und jenseits üblicher Weltwahrnehmungen.
Die Rote Fabrik wird (neben den Hora-Produktionen) zum Schauplatz von Darbietungen zwischen konzertanter Improvisation und vermeintlich improvisierter Performance. Ein besonderer Leckerbissen dürfte das Konzert mit dem Gitarristen Fred Frith und der gehörlosen englischen Perkussionistin Evelyn Glennie werden, deren Arbeit im Film «Touch the Sound» (2004) dokumentiert wurde. In der Gessnerallee ist Okkupation! mit vier Tanzproduktionen zu Gast, derweil der Schiffbau zur temporären Heimstätte einer sogenannten Video-Lach-Installation wird.
Adrian Riklin

«Okkupation! Internationales Theaterfestival Zürich»: in Zürich Rote Fabrik, Theaterhaus Gessnerallee, Schiffbau. Mi, 22. Mai, bis Sa, 1. Juni 2013. www.hora-okkupation.ch

Oltner Kabaretttage

1988 war Olten erstmals Austragungsort der Kabaretttage. Im Lauf eines Vierteljahrhunderts hat sich das Festival zum Klassentreffen der schweizerischen Kabarettszene entwickelt – und spiegelt so ihren Wandel: Unter dem Einfluss neuer Formate vorab auf privaten Fernsehkanälen hat sich einiges vom literarisch geprägten Kabarett in Richtung Comedy entwickelt.
Doch sind auch dieses Jahr VertreterInnen des eher klassischen Kabaretts zu hören und zu sehen. So etwa das Theaterkabarett Birkenmeier, besser als «Geschwister Birkenmeier» bekannt. In Olten zeigen sie ihr aktuelles Programm «Weltformat»: einen Abend voller Chansons, Songs und Geschichten mit «Einbrüchen und Ausbrüchen aus einer formatierten Welt». Mit an Bord sind neben Sibylle und Michael Birkenmeier auch Ines Brodbeck (Perkussion), Srdjan Vukasinovic (Akkordeon) und Annette Birkenmeier (Violine).
Weiter im Programm: Knuth und Tucek (Nicole Knuth und Olga Tucek), die Preisträgerinnen des diesjährigen Cornichon, mit dem satirisch-musikalischen Stück «Freiheit – ein Heimatfilmtheater»; das Duo Luna-tic, bestehend aus dem burschikosen Fräulein Claire aus Berlin (Judith Bach) und der charmanten Sängerin Mademoiselle Olli de Paris (Stéfanie Lang) mit «Obladiblada»; Alex Porter, der zauberisch-erzählerisch-komische Tausendsassa mit «That’s magic», und viele mehr.
Adrian Riklin

26. Oltner Kabaretttage in: Olten Stadttheater, Schwager Theater, Theaterstudio, Konzertsaal, Schützi, Ildefonsplatz, Vario Bar, Caveau du Sommelier, Coq d’Or. Mi, 22. Mai, bis Sa, 1. Juni 2013. www.kabarett.ch

Filme

Liebe und Anarchie

Es ist selten, dass kolumbianische Filme in die Schweizer Kinos kommen. Umso schöner also, dass das in Kolumbien als Kultfilm verehrte Werk «La estrategia del caracol» (Die Strategie der Schnecke) mal wieder zu sehen ist. Das Kino in der Reitschule zeigt den Film in der Mai-Reihe, die den Titel «Amore, Anarchia – subito!» trägt. «Wir zeigen Dokumentationen über historische und aktuelle immer stark bekämpfte Versuche, die anarchistische Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Aber auch herzergreifende oder möglicherweise verstörende Spielfilme», schreiben die VeranstalterInnen.
«La estrategia del caracol» (1993) erzählt die wunderbare Geschichte mehrerer BewohnerInnen eines Wohnhauses in Bogotá. Der neureiche Besitzer will sie ohne Grund aus dem Haus werfen. Doch die NachbarInnen verbünden sich und entwickeln gemeinsam die Strategie der Schnecke: Bei Nacht und Nebel tragen sie Stein für Stein das ganze Haus ab und bauen es an einer anderen Stelle wieder auf. Sergio Cabrera erzählt in seinem Film von Würde, Anarchie, Willkür und von Treue: der Treue der BewohnerInnen zu ihrem Haus.
Zu sehen in der Reihe sind ausserdem «Themroc» (Frankreich, 1973) von Claude Faraldo, «Die Retterinnen» (Deutschland, 2002) von Barbara Teufeln sowie Hans Weingärtners «Die fetten Jahre sind vorbei» (Deutschland, 2004).
Silvia Süess

«Amore, Anarchia – subito!» in: Bern Kino in der Reitschule. «La estrategia del caracol», Do, 16. Mai 2013, 20.30 Uhr; «Themroc», Sa, 18. Mai 2013, 21 Uhr; 
«Die Retterinnen», Do, 23. Mai 2013, 20.30 Uhr; 
«Die fetten Jahre sind vorbei», Fr, 24. Mai 2013, 21 Uhr. 
www.reitschule.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch