Nr. 20/2013 vom 16.05.2013

Diskriminierte

Zum Glück zwingen uns unsere LeserInnen hin und wieder zu komplexeren Gedankengängen. So hiess es in WOZ Nr. 16/13: «Während der indigene Aktivist Arthur Manuel die Schiefergasförderung in Kanada anprangert, stürmt die Hälfte der Leute den Park.» Weil der genannte Park allerdings in Lausanne liegt und die Mehrzahl der Stürmenden wohl aus der Schweiz stammte, fragte WOZ-Leser G., ob im beschriebenen Fall nicht diese die Indigenen seien statt des kanadischen Aktivisten. Ja und doch wieder nein, dachten wir da. Zwar bedeutet «indigen» gemäss Duden «eingeboren, einheimisch», was SchweizerInnen in der Schweiz zweifellos sind; doch es bezeichnet auch – politisch korrekt – jene UreinwohnerInnen aller Kontinente, die für manche Kreise bis heute «Eingeborene» sind. Da indigene Völker laut Wikipedia unter anderem die gemeinsame «Erfahrung von Unterdrückung, Marginalisierung, Enteignung» verbindet, ist aber damit zu rechnen, dass nach Preisgabe des Bankgeheimnisses bald auch das Schweizervolk zu den indigenen zählen wird.
Karin Hoffsten

Warnende

Mit dem Plural ist es so eine Sache. Nicht nur im Deutschen, wo wir schon in der Primarschule Bänke von Banken unterscheiden mussten, sondern auch dort, wo das Lateinische hineinspielt. Als Redaktorin Claudia Schmid kürzlich in der «SonntagsZeitung» ihre zahlreichen Namensbasen «Claudie (lat. Plural von Claudia)» nannte, fiel Kollegin A. ein, wie einst schwatzhafte Mitschülerinnen namens Ursula gesamthaft als «Ursulae» zur Ruhe gerufen wurden, dass es also «Claudiae» heissen müsse. Und auch die liebe Kollegin B., die immer «-um!» ruft, wenn «ein Visa» beantragt oder «ein Antibiotika» verschrieben wird, musste sich wieder sehr aufregen, als sich Helmut-Maria Glogger im «Blick am Abend» über «Werbung für Alkoholikas» ausliess. Sie sehen: Auch klassische Bildung kann Ihrer Gesundheit schaden!
Karin Hoffsten

Unentschlossene

«Wütend: Bauer Plüss wünscht möchte eine Entschuldigung», schrieb der «Blick» unter ein Bild des besagten Herrn – offenbar war man sich nicht sicher, wie dringlich dessen Anliegen einzuschätzen sei. Da Bauer Plüss kurz zuvor von einem rücksichtslosen Autofahrer vom Töffli gefegt worden war, plädieren wir dafür, dem Geschädigten zumindest ein beherztes «will verlangt fordert» zuzugestehen.
Karin Hoffsten

Zeitgemässe

Und was meldete der «Tages-Anzeiger» zu den Stadtzürcher Badeanstalten? «Alle Bäder sind bei jedem Wetter täglich von 9 bis 11 Uhr geöffnet, danach wird je nach Witterungsverhältnissen entschieden. Bei gutem Wetter schliessen die Bäder um 20 Uhr, allenfalls etwas später.» Wir blicken zugegebenermassen zwar nicht ganz durch, wann jetzt geöffnet sein wird, mutmassen aber, dass dieses Regime ein Vorbote davon ist, was unter der erdrückenden links-grünen Mehrheit auf FreischwimmerInnen zukommt.
Jürg Fischer

Kontroverse

«Der heute 48-jährige ‹Chef› der Bande wurde wegen seiner Lügengeschichten vom Staatsanwalt als den ‹Widersprüchlichen› bezeichnet.» Dies berichtete der Winterthurer «Landbote» über den Prozess gegen eine Bande von Frauenhändlern. Wir schwanken noch, ob wir den Staatsanwalt als den «Wahrsagenden» bezeichnen sollen oder den «Landboten» als den «Fallpauschalen».
Jürg Fischer

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch