Nr. 28/2013 vom 11.07.2013

Harmonie im Strandbad

Von Stephan Pörtner

Im Strandbad herrschte ausgelassener Frohsinn, weil für einmal niemand da war, der die Stimmung getrübt hätte. Das lag vor allem daran, dass das Wetter so schlecht war. So blieben die wahren Connaisseurs unter sich und konnten sich so weit voneinander entfernt aufhalten, dass sie von ihrer gegenseitigen Existenz nicht einmal etwas ahnten. Auch im Wasser, das so kalt war, dass die Enten sich weigerten, es zu trinken, traf man nie auf andere Schwimmer. Kurzum: Es war der perfekte Sommer, und der Umstand, dass dies nur diesen hartnäckigen und unbeugsamen Dauergästen einleuchtete, sorgte für einen derart harmonischen Zustand, dass es wehtat.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Soeben ist sein neuer Krimi, «Mordgarten», erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch

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