Nr. 39/2013 vom 26.09.2013

Keine Dänen in Brasilien

Ein Klub, der Fans nach Namen sortiert.

Von Etrit Hasler

Kennen Sie Dänemark? Das ist ein Land, das irgendwo bei Hamburg anfängt, angeblich erstklassige Butter macht und früher einmal dafür bekannt war, dass es in seiner Hauptstadt ein Viertel gab, in dem man offen an Ständen Hasch kaufen konnte. Die Zeiten sind schon länger vorbei. In der Zwischenzeit war es auch einmal das europäische Land, das mit dem Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb von sich reden machte. Und mit einer Einwanderungspolitik, die darin bestand, «das Land noch wirksamer vor denen dichtzumachen, die man verdächtigen könnte, Dänemark zur Last zu fallen», wie dies Integrationsminister Sören Pind 2011 in «Jyllands-Posten» formulierte. Auch diese Zeiten sind zum Glück seit den letzten Wahlen wieder vorbei. So zumindest der Eindruck.

Fussballbegeisterten werden bei Dänemark auch noch ein paar andere Dinge in den Sinn kommen. Die verrückte Europameisterschaft 1992 zum Beispiel. Jugoslawien wurde wegen der Uno-Resolution zu den Balkankriegen kurzfristig von der Teilnahme ausgeschlossen – eine Woche vor Turnierbeginn –, und Dänemark rutschte nach. Dem Mythos gemäss wurden die meisten Spieler aus ihren Sommerferien zurückgeholt und hatten keine Zeit, sich angemessen vorzubereiten. Trotzdem warfen sie England, Frankreich und Gastgeber Schweden aus dem Turnier und bodigten Deutschland in einem denkwürdigen Final mit 2:0.

Und dann gab es noch den Kjöbenhavns Boldklub (KB), den vielleicht ältesten Fussballklub ausserhalb Grossbritanniens – 1876 gegründet, wobei man erst ab 1879 Fussball spielte. Im selben Jahr wurde übrigens auch der FC St. Gallen gegründet, aber das ist eine andere Geschichte. 1992 fusionierte der KB mit dem Lokalrivalen Boldklubben 1903 zum FC Kopenhagen. Und ebendieser FC Kopenhagen ist durchaus erfolgreich. In den letzten zehn Jahren wurde er siebenmal dänischer Meister, und auch dieses Jahr ist er zu Gast in der Champions League – in einer Gruppe mit Traumgegnern wie Juventus Turin, Galatasaray Istanbul und Real Madrid. Namen, die das Herz eines jeden Fussballfans höherschlagen lassen.

So auch in Kopenhagen. Der Ansturm auf die Tickets war erwartungsgemäss gross – und entsprechend auch die Ernüchterung bei einigen Fans, als ihnen der Kauf der Tickets untersagt wurde. Zum Beispiel dem in Dänemark geborenen iranischen Secondo Atila Momeni: Als er beim Klub nachfragte, was denn los sei, wurde ihm mitgeteilt, sein Ticketkauf sei aus Sicherheitsgründen annulliert worden. Sein Name lasse kein schlüssiges Urteil darüber zu, ob es sich bei ihm um einen Gäste- oder Heimfan handle.

Auf Medienanfragen bestätigte der FC Kopenhagen, keine Tickets an Menschen mit «nicht dänischen Nachnamen» zu verkaufen. Als Grund gab der Klubsekretär Daniel Rommendahl an, man wolle verhindern, dass Gästefans an Karten für den Kopenhagen-Sektor gelangen. Denn genau das sei das bei einem Europa-League-Spiel gegen Hannover 96 vor zwei Jahren passiert, als deutsche Gästefans im Heimsektor gestanden hätten. Es gehe um die Sicherheit, die «immer an erster Stelle steht». Die Geschichte um die diskriminierende Praxis versickerte so schnell, wie sie aufgetaucht war. Ein paar europäische Zeitungen berichteten in einer Randnotiz darüber. Eine Reaktion der Uefa oder der Fifa blieb aus, obschon die Statuten der Fussballverbände eine Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft verbieten.

Selbst meine eigene Empörung hielt sich in Grenzen. Dass Dänemark ein Rassismusproblem hat, ist nun wirklich nichts Neues. Und insgeheim kann ich dem Modell Kopenhagen sogar etwas Positives abgewinnen. Stellen wir uns nur vor, bei den kommenden Weltmeisterschaften in Brasilien würden nur noch Fans mit portugiesisch klingenden Namen zugelassen. Das könnte die Stimmung am Turnier durchaus positiv beeinflussen: keine Engländer, keine Deutschen und vor allem keine Dänen.

Etrit Hasler heisst nur deswegen nicht 
Etrit Jashari, weil das St. Galler Kantonsgericht bei der Scheidung seiner Eltern 1979 
befand, es sei «einem Schweizer Kinde 
nicht zuzumuten, einen solch fremdländisch klingenden Namen zu tragen». Er fragt 
sich gerade, ob der Richter Däne war.

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