Nr. 39/2013 vom 26.09.2013

Festival

Italien im Film

«Regionale Geschichten erzählen die Welt» – unter diesem Titel findet das diesjährige Cinema Italiano statt. Das kleine Filmfestival wird von Cinélibre, dem Verband Schweizer Filmklubs und nicht gewinnorientierter Kinos, sowie dem römischen Verein Made in Italy organisiert und findet in zwölf Schweizer Städten statt.
Rom, Mailand, Turin, die Vororte von Rom sowie die Region Basilicata im Süden Italiens – dies sind die Schauplätze der fünf Filme, die einen vielfältigen Einblick in das heutige Italien geben. Da ist die 45-jährige erfolgreiche Geschäftsfrau, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Liebhaber sie verlässt und ihr Vater stirbt («Il mio domani» – «Die Zukunft liegt vor mir» von Marina Spada). Da ist der Fabrikbesitzer in Turin, dessen Firma von der Wirtschaftskrise erfasst wird und der zu immer skrupelloseren Methoden greift, um zu überleben («L’industriale» – «Der Unternehmer» von Giuliano Montaldo). Da ist der fünfzehnjährige Luca, dessen Nachhilfelehrer merkt, dass er sein Vater ist. Gemeinsam kurven sie auf Lucas Moped durch Rom und lernen sich und die Stadt neu kennen («Scialla!» – «Bleib locker!» von Francesco Bruni). Da sind ein Nachtportier und eine Angestellte eines Autoverleihs, die gern Kinder hätten, doch es klappt einfach nicht («Tutti i santi giorni» – «Tagein, tagaus» von Paolo Virzi). Und schliesslich sind da vier jung gebliebene Mittdreissiger, die die alten Zeiten aufleben lassen. Sie gründen nochmals eine Band und beschliessen, zu Fuss ans regionale Musikfestival zu pilgern. In dem ungewöhnlichen Roadmovie trabt auch ein weisses Pferd mit, und eine junge Journalistin schliesst sich der Herrentruppe an («Basilicata Coast to Coast» – «Basilicata – von Küste zu Küste» von Rocco Papaleo).
Cinema Italiano in: Bern Cinématte, 
Mo, 30. September 2013, 20 Uhr, Eröffnung mit 
«Scialla!» in Anwesenheit des Regisseurs 
und des Protagonisten. Weiteres Programm 
siehe www.cinema-italiano.ch.

Silvia Süess

Zurich Film Festival

Roter Teppich, Stars, Cervelatprominenz und gute Filme. Das Zurich Film Festival bietet von all dem etwas und versucht auch dieses Jahr den Spagat zwischen kommerziellen Sponsorenevents und kulturell hochstehendem Filmprogramm.
Fangen wir bei den Stars an: Heuer beehrt der «Sexiest Man Alive 2008», Hugh Jackman, das Festival. Ein weiterer Ehrengast ist der österreichische Regisseur Michael Haneke, dem auch eine Retrospektive gewidmet ist. Mit dem Neuseeländer Tim Bevan und dem US-Amerikaner Harvey Weinstein sind zwei erfolgreiche Produzenten zu Gast. Und Harrison Ford kommt ein Goldenes Auge abholen. Auf weibliche Ehrengäste wartet man vergeblich.
Das Filmprogramm besteht aus rund 120 Filmen, die meisten sind im Rahmen der vier Wettbewerbe zu sehen: in den Kategorien internationale Dokumentarfilme, deutschsprachige Dokumentarfilme, internationale Spielfilme und deutschsprachige Spielfilme. Die Schwierigkeit dieser Aufteilung zeigt sich unter anderen darin, dass der Schweizer Beitrag «Traumland» von Petra Volpe, der im Zürcher Rotlichtmilieu spielt, im internationalen Spielfilmwettbewerb läuft. Der Grund: Die meisten Dialoge seien fremdsprachig. Weitere Schweizer Beiträge sind unter anderen die beiden Dokumentarfilme «Service inbegriffen» von Eric Bergkraut und «Neuland» von Anna Thommen, «Am Hang» von Markus Imboden und Xavier Kollers Verfilmung des Kinderbuchklassikers «Die Schwarzen Brüder».
Zurich Film Festival in: Zürich Corso, 
Le Paris, Arena, Filmpodium, Do, 26. September, 
bis So, 6. Oktober 2013. www.zff.com

Silvia Süess

Jazzclub Allmend

Die Geschichte des Jazzclubs Allmend in Oberengstringen begann im Singsaal des gleichnamigen Schulhauses. Martin von Aesch, der langjährige Leiter der Schlieremer Chind, und der Saxofonist Urs Blöchlinger (1954–1995) trafen sich mit Freunden zu einer Jamsession. Noch am gleichen Abend gründeten sie zusammen mit dem Schlagzeuger Dieter Ulrich den Jazzclub. Seither sind 25 Jahre vergangen und gegen 400 Konzerte über die Bühne gerauscht. Das Jubiläum feiern sie nun mit einem drei Tage dauernden Festival.
Der Akkordeonist Hans Hassler eröffnet den Reigen mit einem überraschungsreichen Ritt, bei dem auch mit Ländlermusik gerechnet werden muss. Der Sänger Martin Lechner und sein Sextett machen mit Souljazz weiter. Am zweiten Abend präsentieren die Pianistin Irène Schweizer und der Saxofonist Jürg Wickihalder ihr neues Programm mit Stücken des legendären Pianisten Thelonious Monk. Im Trio des Saxofonisten Nat Su schlägt mit Ulrich einer der Gründer des Jazzclubs Felle und Becken. Zum Abschluss am Samstag wirds international. Mit Gianni Coscia und Gianluigi Trovesi ist ein gut geöltes, aber sperriges Duo mit Akkordeon und Bassklarinette zu hören. Für den lautstarken Ausklang sorgt das Bläserquartett Fun Horns aus Berlin.
25 Jahre Jazzclub Allmend in: 
Oberengstringen Oberstufenschulhaus Allmend, Do, 26., bis Sa, 28. September 2013, jeweils 20 Uhr. 
www.jazzclub-allmend.ch

Fredi Bosshard

Ausstellung

Eingefärbte Fotografie

Die Ausstellung im Schweizer Kameramuseum in Vevey trägt einen etwas kryptischen Titel: «Maxim oder die Kolorierung». Hinter Maxim verbirgt sich der in Genf 1894 geborene Max Bressler. Er zog 1927 nach Lausanne, eröffnete dort sein Fotoatelier und schuf sich schnell einen Namen als talentierter Porträtfotograf von Menschen und ihren Lieblingshaustieren. Er fotografierte Familien und SchauspielerInnen aus der Film- und Theaterwelt, arbeitete auch für die städtischen Bühnen. Immer wieder setzte er sich ins Schaufenster seines Ateliers in der Passage Saint-François und kolorierte auf einer Staffelei seine Schwarzweissabzüge mit Pinsel und Sprühpistole, verlieh ihnen so eine unverwechselbare pastellfarbene Aura.
Maxim tat dies auch noch in den sechziger Jahren und später, als industrielle Verfahren satte Farben längst möglich machten. Die Kolorierung blieb sein Markenzeichen. Das Museum in Vevey hat von Maxims Familie nach seinem Tod 1978 eine Kollektion seiner schönsten Fotos erhalten und diese mit Zukäufen erweitert. Im Unterschied zu ausgebleichten Fotos der sechziger Jahre haben Maxims Bilder ihre Farben behalten.
«Maxim oder die Kolorierung» in: Vevey Schweizer Kameramuseum, Do, 26. September, 2013 18 Uhr, Vernissage. Di–So, 11–17.30 Uhr. Bis 9. März 2014. www.cameramuseum.ch

Fredi Bosshard

Warja Lavater

«Imageries» – so nannte Warja Lavater ihre Faltbilderbücher. 1962 publizierte das New Yorker Museum of Modern Art ihr erstes Faltbuch: «Wilhelm Tell». Es folgten weitere – sie illustrierte und erzählte sowohl bekannte Märchen wie das «Rotkäppchen» als auch selbst erfundene Geschichten.
Warja Lavater kam 1913 in Winterthur zur Welt, wuchs in Griechenland und Russland auf und besuchte die Kunstgewerbeschule in Zürich. 1937 gründete die Grafikerin und Künstlerin mit ihrem späteren Ehemann Gottfried Honegger das Grafikatelier Honegger-Lavater. Sie entwarf Werbeplakate sowie Signete und grosse Bildwände für die Saffa-Ausstellung von 1958 in Zürich. Ende der fünfziger Jahre zog sie mit ihrem Mann nach New York, wo sie entscheidende Anstösse für ihre weiteren Arbeiten fand. 2007 verstarb Warja Lavater. Zu ihrem 100. Geburtstag hält Carol Ribi, die eine Dissertation über die Künstlerin schreibt, einen Vortrag über ihr grafisches Werk.
Vortrag von Carol Ribi: «Warja Lavater 
zum 100. Geburtstag: Das grafische Werk und 
die poetische Bilderschrift» in: Zürich Zentralbibliothek, Mi, 2. Oktober, 2013 18.15 Uhr.

Silvia Süess

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