Nr. 40/2013 vom 03.10.2013

Pauschalpreise laut Badekleid

Von Stephan Pörtber

An der Kasse des Selbstbedienungsrestaurants im Strandbad sass seit zwölf Saisons Toni «Dreifach» Lutz. Er hatte seinen Laden gut im Griff, Schlangen bildeten sich nur zur Mittagszeit, aber wer mittags zum Mittagessen geht, ist bekanntlich selber schuld. Es gibt ja genügend andere Tageszeiten, zu denen man sich verpflegen kann. Das wusste auch Toni und kannte darum wenig Erbarmen. Wenn ihm alles zu viel wurde, führte er Pauschalpreise ein, die sich danach richteten, ob ihm das Badekleid des Gastes besser oder schlechter gefiel. Dabei hatte er einen so präzisen Blick entwickelt, dass die Kasse jeden Abend auf den Rappen genau stimmte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Im Juni ist sein neuer Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch