Nr. 47/2013 vom 21.11.2013

Ein rot-grüner UBS-Turm für Basel

Von Timo Posselt

Basel soll einen neuen Turm bekommen. Nach dem Messeturm und dem Roche-Turm, der 2015 fertig sein soll, lässt der neue Claraturm in der Stadt die Köpfe dampfen wie die Kamine der Chemie. Im 96-Meter-Hochhaus sollen 170 Wohnungen entstehen mit mehrheitlich ein bis drei Zimmern. Laut Pro-Komitee «keine Luxuswohnungen», sondern «attraktiver Wohnraum für alle Schichten» mitten im bereits sehr dicht besiedelten Kleinbasel. Auf den unteren vier Etagen gibts zudem Büros, im Parterre Restaurants und Läden, einen grünen Innenhof und im obersten Stock einen Mehrzwecksaal «fürs Quartier». Das Ganze ohne Parkplätze und in nachhaltiger Bauweise. Doch bevor so ein Neubau in die Höhe ragen kann, müssen ein paar historische Gebäude plattgemacht werden. Das Alte Warteck steht noch auf dem Baugrund und ausserdem im Bundesinventar schützenswerter Ortsbilder.

Das rief die HeimatschützerInnen auf den Plan. Sie liessen das Killerargument der «Clara-KlötzlerInnen», die alten Häuser würden so oder so abgerissen, nicht gelten. Wenn die BaslerInnen am Sonntag an der Urne Nein sagen, wird die Lage neu beurteilt, und die Warteck-Häuser aus dem Jahr 1860 können doch stehen bleiben. Unterstützung erhält das Referendum nun auch vom Basler Stararchitekten Jacques Herzog. Der ganze Debattennebel verstellt die Sicht auf den eigentlichen Turm: Der Immobilienfonds Sima der UBS investiert die nötigen hundert Millionen Franken und will «marktentsprechende Renditen» erwirtschaften. Die Investition werde sich an dieser «ausgezeichneten Lage mittel- und langfristig bestimmt» lohnen.

Das glaubt man gern; ob sich die BewohnerInnen in den vierzig bestehenden einfachen Wohnungen die Miete im neuen Turm noch leisten können, ist eine andere Frage. Und diese stellt allein die «BastA» (Basels starke Alternative). Als einzige Partei lehnt sie das Neubauprojekt ab. Die restliche Basler Linke gibt ihre soziale Pflicht gerne für einen «grünen» Glasturm auf. Dass damit das Quartier mit der grössten Bevölkerungsdichte noch dichter bebaut wird und die Menschen verdrängt werden, für deren AnwältInnen man sich ausgibt, ist da nebensächlich. Schliesslich möchte man die seelenlose Betonwüste auf dem Messeplatz nebenan zum «vitalen Stadtraum» machen.

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