Nr. 47/2013 vom 21.11.2013

Friede, Freude, Whirlpool!

Wie Karin Hoffsten von der Eurokrise profitierte.

Von Karin Hoffsten

Genau vor einem Jahr kam der Brief. «Glückwunsch!», hiess es. «Sie haben gewonnen!» Ein kurzer Lebensabschnitt rauschhaften Rätsellösens hatte überraschend eine saftige Frucht getragen: eine Woche im Ferienresort am Walensee «im Wert von ca. 1500 Franken», einzulösen innerhalb eines Jahres. Glücklich versorgten wir den Gutschein und vergassen ihn.

Sechs Wochen vor Ablauf fiel er uns wieder ein, die Herbstferien standen an, eine wunderbare Gelegenheit. «Am Walensee? Ein Schatten- und Nebelloch!», liessen SchweizkennerInnen verlauten. «Ist egal», sagten wir, «es ist ein Geschenk!»

Das Resort gehört zu einem niederländischen Unternehmen, auch für die Schweiz werden die Preise in Euro angegeben; zur gewünschten Zeit lagen sie am Walensee zwischen 990 und 1218 Euro. Als «ca. 1500 Franken» im Internetwährungsrechner rund 1220 Euro ergaben, frohlockte ich: In dieser Preisklasse verhiess die Website eine wohnungsinterne Sauna!

Die Buchung lief über ein Büro in Deutschland. Frau E. freute sich mit mir, konnte aber nur eine saunalose Wohnung für 990 Euro reservieren. «Das ist festgelegt», sagte sie, «bei Preisausschreiben gibt es immer diesen Wohnungstyp. Da kann ich nichts machen.» Die Preissumme ging wohl auf jene glücklichen Zeiten zurück, als der Euro noch verlässlich 1.50 Franken wert war. Ich rechnete Frau E. den aktuellen Wechselkurs vor und bat um weitere Abklärung. «Kein Thema!», meinte sie optimistisch. Trotzdem blieb es eins.

Natürlich enthielt auch die angebotene Wohnung alles, was die verwöhnte Mitteleuropäerin für gemütliche Ferien braucht, doch ich konnte nicht lockerlassen. Für die erste Ferienwoche war Schnee bis in die Niederungen angesagt, und ich wollte eine Sauna. Einmal im Leben wollte ich Wechselkursprofiteurin sein!

Obgleich von mir selbst peinlich berührt, warf ich die innere Nervensäge an, wandte mich an die Zeitung, die das Rätsel ausgeschrieben hatte, und erhielt – o Wunder! – ein paar Geheimverhandlungen später die Zusage für Whirlpool und Sauna. Währungsdifferenzen wolle man künftig klarer formulieren, hiess es.

Weil die Woche – nicht nur wegen der Badausstattung! – zum Erfolg wurde, hier die Sponsorennennung: Die hilfsbereite Zeitung heisst «Tages-Anzeiger». Das Landal Resort liegt auf einer Halbinsel gegenüber den Churfirsten in Unterterzen. Das Personal ist freundlich, und wenn auch alles ein bisschen aussieht wie in der «Truman Show», fallen keine Scheinwerfer vom Himmel, sondern die Sonne scheint. SBB, Gondelbahn zum Flumserberg, Schiffsteg und zahllose Wanderwege sind in unmittelbarer Nähe, ein Auto ist überflüssig. Das wäre eigentlich auch die Autobahn gleich daneben, doch zum Glück stört sie kaum.

Karin Hoffsten lebt in Zürich und fühlt sich dort auch ohne Privatsauna wohl.

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