Nr. 47/2013 vom 21.11.2013

Sinn-Féin-Chef schweigt zu Vergewaltigung

Von Toni Keppeler

Gerry Adams, Vorsitzender der irischen RepublikanerInnen von Sinn Féin, deren Abgeordneter im irischen Parlament und Architekt des Friedensprozesses in Nordirland, wird durch ein Urteil gegen seinen jüngeren Bruder Liam in Bedrängnis gebracht. Liam wurde im Oktober schuldig gesprochen, seine Tochter Áine über Jahre immer wieder vergewaltigt zu haben; das Strafmass wurde noch nicht festgelegt. Inzwischen wurde bekannt, dass Gerry Adams spätestens seit dem Jahr 2000 von den Vergewaltigungen wusste, seinen Bruder aber nicht anzeigte. Im Gegenteil: Er deckte ihn und half ihm sogar, einen neuen Arbeitsplatz zu finden – ausgerechnet in einem Jugendklub in Belfast.

Im Urteil wird festgestellt, dass Liam Adams seine damals vierjährige Tochter 1977 zum ersten Mal vergewaltigt und dies in den nächsten sechs Jahren immer wieder getan hat. Erst als Vierzehnjährige erzählte Áine ihrer Mutter von den Verbrechen. Damals erstattete Áine auch Anzeige bei der Polizei, zog sie aber wieder zurück, als ein Beamter versuchte, sie als Spitzel gegen die eigene Familie anzuwerben.

Es dauerte noch einmal dreizehn Jahre, bis Liam Adams die Taten seinem Bruder Gerry gestand. Der aber schwieg. In dem 2009 von Áine Adams angestrengten Prozess sagte Gerry Adams aus, er habe die Beziehung zu Liam bereits vor fünfzehn Jahren abgebrochen. Eine glatte Lüge: Mehrere Fotos aus diesen Jahren zeigen das Brüderpaar in inniger Umarmung. Die inzwischen 36-jährige Áine hatte im Prozess ausgesagt, ihr Onkel habe mehrfach versucht, sie davon abzuhalten, ihre Geschichte Medien zu erzählen. Es sei Gerry immer nur darum gegangen, seinen eigenen Ruf sauber zu halten. Der ist nun erst recht beschmutzt.

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