Nr. 47/2013 vom 21.11.2013

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Verzögerte

Im «Tages-Anzeiger» wurde berichtet: «Eigentlich gilt eine Art Memorandum im Steuerstreit USA–Schweiz. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres autorisiert das amerikanische Justizdepartement (DOJ) keine neuen Strafuntersuchungen gegen Schweizer Banken. Dies schreibt das DOJ auf seiner Website.» Als bescheidene SteuerzahlerInnen verstehen wir nicht immer jeden Fachbegriff, doch etwas kam uns dabei trotzdem falsch vor. Wir setzten uns sofort ins Bild und merkten, dass wir an einem Moratorium of Understanding (MoU) litten.

Ewiggestrige

Wenn der Sozialismus vor der Tür steht, gehen vielerorts die Warnlampen an, und so heisst es, nur auf den ersten Blick unvermittelt, in einer Bildlegende der NZZ: «Während ein Teil der Schweizer mit der 1:12-Initiative sympathisiert, blicken Russen mit Sowjeterfahrung konsterniert auf die Vorgänge hierzulande.» Da in Russland nicht nur das Gesetz 1:unbegrenzt herrscht, sondern auch die absolute Meinungsfreiheit, revanchieren wir uns gern mit ein bisschen Konsternation, sollte dereinst an diesen hehren Prinzipien gerüttelt werden.

Präventive

Im «Tages-Anzeiger» lasen wir: «Weil er seinen Sohn trotz ihm bekannter HIV-Infektion sexuell missbrauchte, den Buben zur Prostitution an Pädophile weitergab und Bilder davon ins Internet stellte, muss sich ein Kinderschänder vor dem Bezirksgericht verantworten.» Der Schutz der Gesundheit steht immer und überall an erster Stelle!

Präventive II

In derselben Tageszeitung berichtete eine junge Frau von ihrem erhöhten Risiko für Thrombosen und Embolien, weshalb ihr «die Einnahme einer östrogenhaltigen Pille zünftig verboten sei». Und sollten Yasmin, Yasminelle und Yaz dermaleinst zünftig baden gehen, machen wir ein zünftiges Fest.

Präventive III

Bei einem Überfall auf die Redaktionsräume der linksliberalen Zeitung «Libération» wurde laut «Tagesschau» ein Fotoassistent niedergeschossen, «das Foto wurde schwer verletzt ins Spital gebracht». Gerade bei Schussverletzungen müssen neben medizinischen auch künstlerische Prioritäten gesetzt werden.

Verbeamtete

Michèle Roten erzählte kürzlich im «Magazin», ihre Eheschliessung habe «eine sehr freundliche Standesbeamte» geleitet. Ob das eine neue feminine Form sei, fragte darauf Kollegin F. Wir schwiegen verwirrt, vermuteten aber irgendwo eine letzte deutschsprachige Zone, in der – dialektbedingt – neben der Beamtin noch die Beamte amtet. Doch nachdem wir uns eine Zeit lang sprachlich intensiv mit Beamten und Beamtinnen herumgeschlagen hatten, fühlten wir ein starkes Bedürfnis, ohne amtliche Bewilligung schnellstens zum nächsten Bier gebeamt zu werden.

Weihnachtliche

Bald kommt der Samichlaus, und auch unser Quartier bereitet sich vor: «Öffentliches Kerzenziehen mit 100% reines Bienenwachs und farbiges Wachs». Bleibt die Hoffnung, dass es auch der Schmutzli nicht besser weiss.

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