Nr. 50/2013 vom 12.12.2013

Von Karin Hoffsten

Historische

Bei Tele Züri, wo bekanntermassen alles in Mundart stattfindet, fasste nach Nelson Mandelas Tod die News-Moderatorin dessen verdienstvolle Lebensgestaltung so zusammen: «27 Johr lang het er im Kampf gäge d Rassetrennig freiwillig im Gfängnis verbracht, bis er 1994 de erscht Präsident vom demokratische Südafrika wird.» Nur auf Robben Island, dem malerischen Eiland vor Kapstadt, fand der gros se Mann die notwendige Ruhe, sich auf das schwere Regierungsamt vorzubereiten.

Verhaftete

Dass die freiwillige Lesart noch nicht weitherum bekannt ist, zeigte eine Bildlegende im «Tages-Anzeiger»: «Auch in dem Gefängnis, in dem Mandela inhaftiert war, wird ihm gedacht.» Wir gedenken derweil des Genitivs, der schon seit längerem in Beugehaft sitzt.

Wegweisende

«Eine neue Sicht auf die Migration» entwickelte Thomas Held im «Magazin»: «Auch die Kriegsschiffe der Fortex werden kaum etwas dagegen ausrichten. Die einzige Hoffnung ist das Wachstum (…).» Vermutlich meinte er Frontex, doch das Unbewusste des früheren Direktors von Avenir Suisse wusste es besser. Unter «Fortex» finden wir im Internet die «Fortex Reisebüro GmbH» und den Fortex-Kurierdienst: «Ihr zuverlässiger Partner für dringende Transporte».

Kannibalische

Unter dem Titel «Den anderen essen lernen» sprach kürzlich im «Blick am Abend» ein «Mr. Education» all jene an, die an der Migros-Klubschule ein Diplom als Ernährungscoach erwerben möchten. Das Thema dürfte besonders die AnthropophagInnen unter uns interessieren, für eine Kursteilnahme werden allerdings «gute Deutschkenntnisse» vorausgesetzt. Die Bewerbung von «Mr. Education» konnte aus naheliegenden Gründen nicht berücksichtigt werden.

Nahrhafte

Wie «Blick Online» berichtete, wird der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) im kommenden Jahr Juror bei der Miss-Bern-Ost-Wahl sein: «Die Zusage begründet Neuhaus damit, dass es sich bei dieser kleineren Missen-Wahl nicht ‹um einen Fleischmärit› handle, wie er sagt, sondern tatsächlich noch hübsche Girls Beachtung fänden – auch ohne Model-Figur.» – «Überhaupt ist der Regierungsrat ein Tierliebhaber», heisst es im Artikel weiter unten gewohnt elegant: «Im seinem Garten wiederum haust die ‹Miss Schweiz› Diesen Titel gelang sein Jakobsschaf. Dieses haust mit dem männlichen Vizemister. ‹Jetzt hoffe ich auf Missen-Nachwuchs›, lacht er.» Wir wünschen: En Guete!

Handgearbeitete

Im Rahmen der zurzeit europaweiten Diskussion über den rechtlichen Status der Prostitution wusste die NZZ: «Auch hierzulande ist die Prostitution ein legales Gewebe.» Aber man strickt schon heftig am Tuchverbot.

Fehlmeinende

«Nicht wundern, wenn Sie sich dann nächste Woche auf der letzten Seite bei den WOZ-News lesen können», warnte auf «Tages-Anzeiger Online» ein WOZ-Kenner den anderen wegen eines Tippfehlers. Von wegen!

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