Nr. 10/2014 vom 06.03.2014

Nicht ganz so furchterregend

Von Stefan Howald

Bereits 1935 wurde Friedrich Salzmann von der Schweizer Polizei fichiert. Da war er kaum zwanzig Jahre alt und präsidierte einen Initiativausschuss Schweizerischer Jugendorganisationen, die sich für den Weltfrieden einsetzten – zweifellos verdächtig. Dabei gehörte er einer kleinen Strömung an, den Freiwirtschaftlern, in der Nachfolge des deutschen Volkswirtschaftlers Silvio Gesell (1862–1930). Die wirbeln noch heute herum mit ihrem Allheilmittel einer strikten Geldpolitik samt Abschaffung der Zinsen. Salzmann war von 1971 bis 1978 einer der wenigen freiwirtschaftlichen Nationalräte. Jetzt wirft eine Biografie über ihn Schlaglichter auf ein Leben und ein paar Schweizer Verhältnisse.

Die Fichierung beispielsweise ging jahrzehntelang weiter. Denn Salzmann war 1941 Gründer einer Partei mit einem furchterregenden Titel: Liberalsozialistische Partei der Schweiz. Libertär war Salzmann gegen Einengungen durch den obrigkeitlichen Staat, insbesondere gegen eine Staatsschule, die zur Unmündigkeit erziehe. Sozialistisch wurde die Beendigung der Spekulation und der kapitalistischen Herrschaft über den Menschen gefordert, aus freiwirtschaftlicher Sicht freilich, die ihre Kritik aufs Geld und die Zirkulationssphäre reduziert und jede Machtbeziehung in den Produktionsverhältnissen ausklammert.

Salzmann (1915–1990) war wohl ein undogmatischer Vertreter. Nachdem er jahrelang schlecht bezahlt die Zeitschrift «Freies Volk» herausgegeben hatte, stieg er 1957 beim Schweizer Radio ein und wurde 1966 Ressortleiter für Innenpolitik und Volkswirtschaft. Er schuf ein paar neue dialogische Sendegefässe: «Am runden Tisch», «Ein Bundesrat steht Red und Antwort», vor allem aber «Mit kritischem Griffel», eine Art Glosse am Samstagnachmittag, mit sprachkritischen und konsumentenschützerischen Elementen. Die Freiwirtschaft vertrat er weiterhin in Vorträgen und später in der Politik, womit er allerdings kaum über den Kreis der Eingeweihten hinausreichte.

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