Nr. 14/2014 vom 03.04.2014

Der internationale Terrorismus in Afrika

Von Markus Spörndli

In Teilen Afrikas weiten derzeit grosse fremde Terrorgruppen ihren Einfluss aus. Ob Dschihadismus von Boko Haram in Nigeria, al-Schabab in Somalia oder al-Kaida im Maghreb (Aqim), ob christlicher Terror von Joseph Konys Lord’s Resistance Army im Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und des Südsudan – immer nutzen die Gruppierungen die Möglichkeiten, die ihnen die dortigen schwachen bis nicht existenten Staatsstrukturen bieten. Dabei verwischen sich die Grenzen von profaner organisierter Kriminalität und religiös verbrämten Glaubenskriegern – ja, sie bilden meist gar eine Einheit.

In seinem neuen Buch beleuchtet der langjährige Afrikakorrespondent und WOZ-Autor Marc Engelhardt das «komplexe Wirtschaftssystem des Terrors» auf dem südlichen Kontinent mit einer spannenden Kombination aus Reportage und Analyse. Zu Recht legt er den Fokus nicht auf den ideologischen Überbau, sondern auf die finanzielle und machtpolitische Basis. Die Abwesenheit eines legitimierten Staats macht nicht nur die (zumindest kurzfristige) Akzeptanz von Organisationen wahrscheinlicher, die zuweilen für Sicherheit und Einkommen sorgen. Ein schwacher und damit oftmals korrupter Staat ermöglicht auch die Finanzierung solch transnationaler Gruppierungen – sei es durch Schutzgelder, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel oder Wilderei.

Für ein «Grundlagenwerk zum neuen Terror in Afrika», wie dies der Verlag verspricht, hätte Engelhardt allenfalls den systematisierenden und analytischen Teil des Buchs stärker ausbauen können. Doch die Empfehlung, wie dem Terror begegnet werden sollte, ist auch so überzeugend: nicht so sehr mit militärischen Strategien, die meist den Terrorgruppen in die Hände spielen; sondern indem ein starkes, von einer breiten Mehrheit getragenes Staatswesen aufgebaut wird und die illegalen Einkommensquellen der globalen Terrorgruppen ausgetrocknet werden. Für beides braucht es auch die Mithilfe der europäischen Staaten, der USA und Chinas: Sie müssten in erster Linie aufhören, sich selbst Vorteile aus schwachen, korrupten Staaten zu verschaffen.

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