Nr. 16/2014 vom 17.04.2014

Mehr Fremde auf die Höfe!

Von Bettina Dyttrich

Der Hof geht vom Vater an den Sohn – so lief es in der Schweiz, wie in den meisten patriarchalen Agrargesellschaften, jahrhundertelang. In manchen Regionen erbte der Älteste, in anderen der Jüngste, oder es wurde aufgeteilt, oft unter Streit.

Heute wollen viele Söhne nicht mehr: Mehr als die Hälfte der Schweizer Bauernhöfe wird von Männern über fünfzig geführt, und mehr als die Hälfte von diesen hat keinen Nachfolger. Dass es auch eine Nachfolgerin sein könnte, steht meist gar nicht zur Debatte. Fast alle Bauernpaare möchten nach der Pensionierung in ihrem Haus bleiben. So verpachten sie das Land, die Nachbarhöfe können wachsen – wie es das Bundesamt für Landwirtschaft propagiert –, der Stall steht leer, und die Dörfer werden nicht lebendiger. Zwischen 2000 und 2012 haben mehr als 13 000 Betriebe aufgegeben.

Gleichzeitig gibt es viele QuereinsteigerInnen, die gerne einen Hof übernehmen würden. Doch die Bodenpreise sind in der Schweiz dermassen hoch, dass sich alle, die kein dickes Polster haben, beim Hofkauf ungeheuer verschulden – wenn überhaupt einer im Angebot ist. Und das Recht, einen Hof zum (viel günstigeren) Ertragswert zu übernehmen, haben nur Verwandte. Die Idee, dass ein Sohn weitermacht, prägt auch die Gesetze.

Bleibt die Möglichkeit zur Pacht. Aber auch dabei bleiben QuereinsteigerInnen oft aussen vor. Dabei sind es oft gerade sie, die mit der grössten Begeisterung bauern, bedrohte Tierrassen erhalten, neue Produkte erfinden oder die Landwirtschaft mit ökologischem Tourismus verbinden.

Jetzt hat die Kleinbauern-Vereinigung eine neue «Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe» geschaffen, die QuereinsteigerInnen eine Chance geben soll. Sie berät Bauern und Bäuerinnen, die ihren Hof weitergeben wollen, und solche, die auf der Suche sind. Vermutlich wird die Vermittlung oft scheitern – an geldgierigen Familienmitgliedern, unterschiedlichen Philosophien oder der alten Angst vor dem Wohnen mit «Fremden» im gleichen Haus. Aber sogar wenn es nur in einem von zehn Fällen klappt: Den Versuch ist es wert.

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