Nr. 23/2014 vom 05.06.2014

Terrakottatopf im Suppenhimmel

Von Stephan Pörtner

Das als Suppenhimmel bekannte Lokal im Süden der Stadt war wie immer gut besucht, als Faltermeier durch die Tür trat. An einem Tisch weit hinten in der Ecke, zwischen Papyrus und Toilettenabgangstrennwand, sah er die beiden beisammensitzen. Sie bemerkten ihn nicht, weil sie nur Augen füreinander hatten. Wie die beiden sich den herzhaften Appetit, mit dem sie assen, zugelegt hatten, wollte er gar nicht wissen, ahnte es aber. So schlich er sich hinter die Trennwand, hob den Papyrus auf, und als der schwere Terrakottatopf auf Dr. Schremplers Schädel aufschlug, knackte es im Suppenhimmel und hundert Löffel fielen gleichzeitig zu Boden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Vergangenes Jahr ist sein Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch

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