Nr. 25/2014 vom 19.06.2014

Strandschwindel

Von Stephan Pörtner

Als die Hitzewelle die Stadt endlich erreichte, wurde sie mit der vorhersehbaren Euphorie begrüsst. Kaum eine andere Naturkatastrophe erfreute sich derartiger Beliebtheit. Die Bevölkerung verfiel in kollektive Infantilität und stellte begeistert den von den Reiseveranstaltern fünfzig Jahre zuvor erfundenen Strandschwindel nach. Dazu gehörte das lang gestreckte Ausharren an der prallen Sonne sowie das Zusichnehmen klebriger alkoholischer Getränke, ohne die sich Zweifel an der Erträglichkeit dieses Tuns nicht verdrängen liessen. Es herrschte angespannte Zufriedenheit, die jegliche sinnvolle Betätigung im Keim erstickte und so der Wirtschaft den längst fälligen Schaden zufügte, ohne den das ewige Wachstum gar nicht zu verkraften gewesen wäre.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Vergangenes Jahr ist sein Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch.

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