Nr. 33/2014 vom 14.08.2014

Nicht geschmolzen, nicht gestorben

Von Stephan Pörtner

Weil Ferien waren, gönnte sich Gotthalben einen dritten Morgenkaffee, obwohl von Morgen im engeren Sinne nicht mehr die Rede sein konnte. Die Sonne stand hoch am beissend blauen Himmel, die Temperaturen stiegen unaufhaltsam, und Gotthalben wusste, dass auch heute an Bewegung nicht zu denken war. Vom dritten Kaffee in einen Zustand von an Nervosität grenzender Wachheit versetzt, legte er sich auf seinen strategisch im Halbschatten platzierten Liegestuhl und tat die nächsten drei Stunden nichts, aber auch gar nichts, bis die euphorisierende Wirkung nachliess und er in den Pool sprang, um sicher zu sein, dass er weder geschmolzen noch gestorben war.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Vergangenes Jahr ist sein Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch

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