Nr. 36/2014 vom 04.09.2014

Aufgelöst in der Masse

Von Stephan Pörtner

Die Teilnahme am Massentourismus ist ein fragwürdiges Unterfangen, an dessen Nützlichkeit vor allem nach den grossen Ferien vielerorts erhebliche Zweifel aufkommen, angesichts leerer Reisekassen, juckender Ausschläge, absolvierter Staustunden und eines allgemein schwer zu verdrängenden Gefühls, ausgenommen und übers Ohr gehauen worden zu sein, das sich insbesondere bei der Ansicht des aus der Feriendestination heimgeschleppten Gerümpels einstellt, dessen einstige Attraktivität und Anziehung niemand mehr nachvollziehen kann. Doch das Vergnügen, sich in der Masse aufzulösen, in Badekleidung eine schlechte Figur zu machen und Unterlassungssünden am Laufmeter zu begehen, ist eines mit Tiefenwirkung, nach dem sich die meisten bereits vor Weihnachten wieder sehnen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. «Mordgarten» ist auch unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch

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