Nr. 41/2014 vom 09.10.2014

Von Freiheit und verschlossenen Türen

Von Lisa Bolyos

Warum geht jemand weg von dort, wo er oder sie zu Hause ist? «Um ein neues Leben zu beginnen oder um ein Leben zu retten», sagt Emmanuel Mbolela. Unter dem Titel «Mein Weg vom Kongo nach Europa» hat er seine politische Autobiografie veröffentlicht, die weit mehr ist als ein Bericht über diesen Weg. Sie ist auch eine Biografie des Kongos und eine Biografie der Migration.

Mbolela, geboren 1973, wuchs in der Stadt Mbuji-Mayi auf. Seine Politisierung beschreibt er als die Erkenntnis einer Notwendigkeit: Irgendwer muss doch dazu beitragen, dass die ganze Welt demokratischer wird! Für solche Bestrebungen ist der Kongo der achtziger und neunziger Jahre ein gefährliches Pflaster. In sehr jungen Jahren engagiert sich Mbolela in der Union für Demokratie und sozialen Fortschritt (UDPS) unter Étienne Tshisekedi – ein Engagement, das mit Repression beantwortet wird. Nach einer Gefangennahme, deren gewalttätige Details Mbolela nur andeutet, flieht er 2002 aus der nunmehrigen Demokratischen Republik Kongo, aus dem Land, dessen wirkliche Demokratisierung er am meisten ersehnt – «mit dem Ziel, schlussendlich in einem Land anzukommen, in dem Ordnung, Friede und vor allem Freiheit herrschten. Solche Länder sind auf dem afrikanischen Kontinent äusserst rar – nicht einmal in Nordafrika findet man sie wirklich. Ich musste mich also darauf einstellen, mich nach Europa durchzuschlagen, um dort Asyl zu beantragen.»

Mbolela schreibt von dieser – nicht nur seiner – Reise quer durch die Sahara Richtung Nordafrika und viel später erst bis in die Niederlande; von der Gewalt, der Menschen ausgesetzt sind, die alle Kräfte zusammennehmen, um sich von zu Hause loszusagen; von der Macht der Selbstorganisation und schliesslich auch von den vielen verschlossenen Türen, die zum Inneren Europas zu gehören scheinen. Er schreibt getragen von einer Solidarität gegenüber den ständig Weggeschobenen, die ihresgleichen sucht. Sein Buch will selbst Beitrag sein zu einer Welt, in der Menschen selbst wählen können, wo sie bleiben und wohin sie gehen.

Emmanuel Mbolela liest am Dienstag 14. Oktober 2014, 
um 19 Uhr in der Shedhalle Zürich; am Mittwoch, 15. Oktober 2014, um 20 Uhr im CAP in Bern; am Donnerstag, 16. Oktober 2014, um 19.30 Uhr im Longo-Maï-Haus in Basel. www.sofs.ch/de/agenda

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