Nr. 45/2014 vom 06.11.2014

Weit über der Hälfte

Von Stephan Pörtner

Als die Tage wieder kürzer wurden, wurden die Gesichter wieder länger, weil mit jedem Tag schwerer abzustreiten war, dass das Jahr schon wieder weit über die Hälfte fortgeschritten war, während die eigenen Pläne und Vorsätze noch tief im ersten Drittel verharrten und kaum mehr termingerecht über die Ziellinie zu prügeln wären. Dadurch schlichen sich Minderwertigkeitsgefühle und Versagensängste bis tief in äusserlich erfolgreich wirkende Bevölkerungsschichten. Deren Unbehagen entlud sich im Spätherbst, weil ihnen ihr zupackendes Wesen jegliches Zagen und Zaudern verbot, in massiven Spontankäufen und hektischen Veranstaltungsbesuchen, mit denen sie geradezurücken hofften, was doch unwiderruflich auf die schiefe Bahn geraten war.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. «Mordgarten» ist auch unter www.woz.ch/shop/buecher erhältlich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch

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