Nr. 49/2014 vom 04.12.2014

Die wahren Gründe

Von Karin Hoffsten

Also nach dem letzten Sonntag komme mir bloss niemand mehr mit Dichtestress! Nein – nicht wegen der Abstimmung, sondern weils mich am Nachmittag in die Zürcher Innenstadt verschlug. Da traten sich Tausende glühweintrinkend und gschänkliposchtend unter Glitzersternli gegenseitig auf die Füsse und wussten sich kaum zu lassen vor Freude, als sich auch noch rund 300 Samichläuse dazugesellten. Zur Abwechslung litt mal ich unter Dichtestress und entfloh.

Allen andern scheint ja gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten eingefallen zu sein, dass sie die Dichte eigentlich lieben. Denn nur das ist die Erklärung fürs rundum unerwartete Stimmverhalten, um dessen Deutungshoheit Kohorten von PolitologInnen seit Montag ringen.

Was hätte Ecopop denn gebracht? Gähnend leere Regale wie im untergegangenen Ostblock, entvölkerte Weihnachtsmärkte, Samichlausheere vor zwei, drei verlorenen Kinderseelen. Dass es nicht so kam, verdanken wir dem Volch, wie SVP-Nationalrat Adrian Amstutz sagte, denn nur dieses kann beurteilen, ob eine Initiative gut oder schlecht ist.

Das Volch hat Weihnachten gerettet und damit all die schönen Bräuche, die es nicht mehr missen mag: Nervenzusammenbrüche, Familienschlägereien, Alkoholexzesse und akute Kitschvergiftung. Und danach wieder – juhuh! – Umtauschen, bis der Arzt kommt.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch