Nr. 49/2014 vom 04.12.2014

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Züchtige

Kürzlich wurde die Diskussion über einen angemessenen Dresscode im Schulzimmer wieder mal neu lanciert. Zum Thema vom «Blick am Abend» befragt, sagte Junglehrerin Tamara: «Ich gebe Schwimmen und habe dafür extra ein Badekleid gekauft.» Auch Eltern mit christlichem Hintergrund soll das Nacktschwimmen schon lange ein Dorn im Auge gewesen sein.
Karin Hoffsten

Kopierte

In der Sendung «Rendez-vous» auf Radio SRF 1 nahmen einige Politiker zum Gurlitt-Erbe Stellung, darunter der Luzerner SVP-Nationalrat Felix Müri, Mitglied der parlamentarischen Kulturkommission: «Es muss dann aber auch noch einiges zuerst abgeklärt und gewährleistet sein, dass wir hier dann wirklich nicht Raubkopien präsentieren.» Speziell die Digitalisierung sogenannt entarteter Kunstwerke soll der verstorbene Cornelius Gurlitt ja mit Virtuosität betrieben haben.
Karin Hoffsten

Geschickte

Die «Schweizer Illustrierte» beobachtete einen Künstler, der sich an einer neuen gestalterischen Software versuchte: «Den Stift führt er dabei wie ein echter Farbstift oder Pinsel» – denn nur ein echter Pinsel kennt die Geheimnisse der Malerei.
Karin Hoffsten

Altertümliche

Der «Blick am Abend» porträtierte Sandra Boner, die Wettermoderatorin des Schweizer Fernsehens, «die seit 17 Jahren in wilder Ehe lebt». Weil wir nicht sicher sind, ob das jungen Menschen noch etwas sagt, weisen wir gern darauf hin, dass die wilde Ehe weder das paarweise Zusammenleben auf Bäumen meint noch eine Lebensgemeinschaft, in der regelmässig die Tassen fliegen.
Karin Hoffsten

Vermittelnde

In der Ankündigung zur Veranstaltung «Schreiben, übersetzen, übersetzt werden» des Literaturhauses Zürich heisst es: «Die italienischsprachige Autorin und Musikwissenschaftlerin Donata Berra hat u.a. Friedrich Dürrenmatt, Klaus Merz und Stefan Zweig ins Deutsche übertragen.» So wissen wir endlich, wem wir den Zugang zu Werken wie «Die Physiker», «Jakob schläft» oder «Schachnovelle» zu verdanken haben. Die Autoren Federico Pratoarido, Nicola di Marzo und Stefano Ramo waren vorher völlig unbekannt.
Jürg Fischer

Ungelebte

Im Zusammenhang mit einer politischen Konstellation in der Stadt St. Gallen setzte die NZZ den Zwischentitel «Unbewohnte Oppositionsrolle». Da stimmt nur ein Buchstabe nicht, doch gleich entsteht im Kopf das poetisch-apokalyptische Bild einer Geisterstadt mit lauter unbehausten Körpern, ungenutzten Möglichkeiten und ungeahnten Abgründen.
Jürg Fischer

Unsichtbare

Geradezu skandalös ist, dass wir letzte Woche an dieser Stelle der Alternativen Linken die Existenz absprachen. Für den Fauxpas bitten wir in aller Form um Entschuldigung! Das nationale Bündnis, zu dem sich auch die Zürcher Alternative Liste zählt, als «die Eigenbrötler von Linksaussen» zu bezeichnen, wie kürzlich in der NZZ geschehen, hätten wir hingegen niemals gewagt.
Karin Hoffsten

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