Nr. 08/2015 vom 19.02.2015

Apfelnovelle

Von Stephan Pörtner

Dreissig Äpfel hatten es sich im Keller bequem gemacht und warteten geduldig auf den Frühling, denn dann würden sie erfahrungsgemäss in kleine Holzkisten verpackt und per Luftfracht nach Schweden versandt. Doch in diesem Jahr kam alles anders. Im Januar trat eine Frau mit langen braunen Haaren in den Keller, schnappte sich fünf glänzende Äpfel und kochte sie zu Mus. Dass es ein sehr leckeres Mus war, bot den verbleibenden Früchten geringen Trost, vor allem, weil im Februar ein bärtiger Mann auftauchte und sich die Taschen mit ihnen, die von einer so glänzenden Zukunft geträumt hatten, füllte und sie ungerührt auffrass.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch

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