Nr. 24/2015 vom 11.06.2015

Easy, Pisa und die Pädagogik der Angst

Von Pascal Claude

Was macht eine gute Schule aus? Die Klassengrösse, die Unterrichtsform, die Schulleitung? Es sind die Lehrerinnen und Lehrer. Dort, wo es laut einer Studie nur die Besten an die Pädagogischen Hochschulen schaffen – in Kanada, Finnland oder Südkorea –, erzielen SchülerInnen die besten Resultate. Die drängendste Frage im Bildungswesen ist also nicht, wie wir unsere Schule am sinnvollsten umbauen, sondern wie die Schulen zu gutem Personal kommen.

In rund fünfzig Beiträgen zwischen lakonischer Alltagsbetrachtung und präziser Dekonstruktion pädagogischer Dogmen nähern sich Rudolf Isler und Hans Berner, Dozenten an der Pädagogischen Hochschule Zürich, zusammen mit NZZ-Journalist Urs Bühler den grossen Fragen von Bildung und Erziehung. Dazu gehören neben dem Ruf nach guten LehrerInnen ein Versuch über die Vieldeutigkeit des jugendsprachlichen Begriffs «easy» ebenso wie eine pointierte Einordnung der Pisa-Untersuchungen. Diese weiterzuführen, so Rudolf Isler, habe in erster Linie für jene privaten Firmen einen Nutzen, die mit der Datenerhebung für Pisa Unsummen verdienten: «Ein Rückzug fällt schwer, es wurde zu viel Geld eingesetzt.»

Oft stehen Studienresultate oder pädagogische Glaubensfragen am Ausgangspunkt der Texte. Dabei streifen die Autoren in ihrer lustvollen Bildungsdebatte auch andere Felder: Die neoliberale Ausdehnung der Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft etwa findet in der Schule ihren Niederschlag in der Ich-AG des Lernens – das heilige pädagogische Prinzip der Individualisierung gerät ins Wanken vor seinem gesellschaftspolitischen Spiegelbild.

Was sind die Rezepte gegen die latente pädagogische Verunsicherung unserer Zeit? «Easy» hält keine bereit. Das Buch rät vielmehr nachzufragen, und es liefert so einleuchtende wie überraschende Argumente. Zum Beispiel, wenn die Forderung nach einer Rückbesinnung auf Gehorsam und Disziplin wieder Konjunktur hat: Früher hatten die SchülerInnen Angst vor ihren LehrerInnen, heute kaum mehr. War also früher alles besser?

Vernissage in Zürich, Sphères, am 12. Juni 2015 um 
18.30 Uhr.

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