Nr. 27/2015 vom 02.07.2015

Vom Strohballen gestreift

Von Stephan Pörtner

Jeglicher Motivation entbehrend, sass Wirbelsträuber vor der Tür seines Wochenendhauses und brachte es nicht einmal fertig, diese zu öffnen und sein Refugium des Müssiggangs und Ausspannens zu betreten. Weil er die ganze Woche hindurch derart unproduktiv gewesen war, dass es an ein Wunder grenzte, war ihm das Erholungsbedürfnis gänzlich abhandengekommen. Er hoffte, von einer wie auch immer gearteten Energie erfasst oder zumindest gestreift zu werden. Stattdessen streifte ihn ein Strohballen, den ihm sein Nachbar Hurrwyler aus Gaudi angeschmissen hatte. Statt sich zu entschuldigen, bot der Jungbauer ihn auf, beim Heuen zu helfen, und schon am nächsten Morgen stöhnte Wirbelsträuber wieder.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch

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