Nr. 34/2015 vom 20.08.2015

Der Kampf der Meeresungeheuer

Von Stephan Pörtner

Statt der gross angekündigten Qualleninvasion waren es nur die BelgierInnen, die in Massen über den Strand herfielen. Kummetrum, angereist, um zu sehen, wie der Kampf der Meeresungeheuer gegen die Sonnenhungrigen ausging, war bitter enttäuscht. Anstatt mitzuerleben, wie die höchstentwickelte Spezies beim Zubringen der Sommerferien, dem Jahreshöhepunkt eines komplexen Arbeits- und Sozialsystems, von hirnlosen Gallertmassen, die sich nicht einmal selber fortbewegen können, nachhaltig gestört und beschädigt wurde, ereigneten sich vor seinen müden Augen nur die üblichen Familiendramen, Territorialkämpfe und Badeunfälle. Angewidert brach er nach zehn Tagen seine Forschungsreise ab und schickte sich darein zu akzeptieren, dass die Gerechtigkeit niemals siegen würde.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch

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