Nr. 38/2015 vom 17.09.2015

Köppel Roger tötet?

Von Florian Keller

Rückfall in archaische Muster: Hetze wird mit Hetze vergolten. So muss man das Inserat verstehen, das letzte Woche im Strassenmagazin «Surprise» erschienen ist: «Tötet Roger Köppel!» lautete die Losung, Absender war das Zentrum für politische Schönheit (siehe WOZ Nr. 26/2015). Und die Künstlergruppe um den Schweizer Philipp Ruch versäumte es auch nicht, im Kleingedruckten für ihre nächste Produktion am Theater Dortmund zu werben.

Es war der fragwürdige Versuch, die systematischen Hetzreden des «Weltwoche»-Chefredaktors mit einer ebenso plakativen Brachialrhetorik à la SVP zu überbieten. Man kann das primitiv/geschmacklos/skandalös finden (Zutreffendes bitte anstreichen). Man könnte auch sagen: Es ist, als künstlerische Intervention, auch nicht besonders aufregend, geschweige denn originell. Hat nicht schon Christoph Schlingensief einst zum Mord an Helmut Kohl aufgerufen?

Nun wäre es, wenn jemand etwas Geschmackloses tut, ja durchaus erlaubt, trotzdem ein paar gescheite Gedanken dazu zu entwickeln. Aber dazu müsste man erst einmal beide Augen aufmachen und nicht bloss links lesen. Interessant ist ja: Für das bisschen Aufregung sorgte nur das halbe Inserat, die ganze rechte Hälfte war in dem medialen Echo kaum jemandem einen Gedanken wert. Dort stehen, genauso gross, nochmals dieselben Worte, aber in gespiegelter Satzstellung: «Köppel Roger tötet!»

Wenn man also, wie in den meisten Medien geschehen, den Wortlaut des Inserats schon eins zu eins auffassen will und die Parole links als eigentliche Anstiftung zum Mord versteht, müsste man bei der Parole rechts ja genauso von einem Straftatbestand sprechen: Das wäre dann üble Nachrede, genauso justiziabel wie ein Aufruf zum Mord. Aber dass Köppel des Mordes bezichtigt wird, darüber scheint sich niemand zu empören. Warum wohl?

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