Nr. 42/2015 vom 15.10.2015

Vernichtende Discounter

Von Susan Boos

Sie verkörperte den rabiaten, kolonialistischen US-Konzern: die United Fruit Company, die später in Chiquita Brands International umbenannt wurde und mit ihren Chiquita-Bananen heute noch omnipräsent ist.

Sarah Zierul hat sich für den deutschen Oekom-Verlag aufgemacht zu recherchieren, wie es heute ums Bananengeschäft bestellt ist. Das erstaunliche Ergebnis: Chiquita ist inzwischen viel besser als ihr Ruf. Die Firma arbeitet seit zwanzig Jahren mit der Rainforest Alliance zusammen, bemüht sich um Nachhaltigkeit und den Schutz der ArbeiterInnen. Sie ist dabei nicht gerade radikal, aber sie versucht kontinuierlich, etwas zu bewegen.

Zierul belegt, dass es heute vielmehr die deutschen Lebensmitteldiscounter Aldi, Lidl, Rewe und Edeka sind, die den Bananenmarkt zerstören und damit für die unsäglichen Arbeitsbedingungen auf vielen lateinamerikanischen Plantagen verantwortlich sind. Die Discounter verramschen die Banane, weil sie als Eck- oder Leitartikel gilt. Die KundInnen kaufen oft Bananen, kennen deshalb den Kilopreis, woraus sie schliessen: Wenn die Banane billig ist, ist der Rest des Sortiments auch günstig. So wird die Banane zum Billigköder.

Diese Preisspirale nach unten hat inzwischen auch die Biobanane erwischt – weil die Discounter auch Biobananen anbieten und so mächtig sind, dass sie in Lateinamerika dafür den Preis definieren können.

Chiquita lieferte übrigens in den letzten Jahren nicht an die Billigdiscounter, weil sie das Nachhaltigkeitskonzept nicht aufgeben wollte. Sie konnte deshalb mit den Billigsten nicht mithalten, schrammte am Konkurs vorbei und wurde vor einem Jahr vom brasilianischen Safthersteller Cutrale übernommen.

Zieruls Bananenbuch ist vor allem ein Buch über die zerstörerische Macht der deutschen Discounter, die Lebensmittelpreise immer noch tiefer zu drücken. Es lohnt sich, das zur Kenntnis zu nehmen, weil sich die Schweiz dem Sog nicht entziehen kann.

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