Nr. 43/2015 vom 22.10.2015

Wankend und schwankend

Von Stephan Pörtner

Das Gehen auf der geraden Linie, der kürzesten Verbindung zwischen dem Ausgangs- und dem noch nicht definierten Endpunkt, stellte für Birrenburg eine ungeahnte Herausforderung dar, nicht zuletzt, weil ihm die Vorstellungskraft fehlte, diesem imaginären Pfad zu folgen. Stattdessen wankte und schwankte er über die unbefahrene Strasse, sehr zur Belustigung der im Café den Tag vertrödelnden Freiberufler aus der Kreativwirtschaft, die glaubten, ein wahrhaftiges Exemplar des so selten gewordenen Quartiersäufers vor sich zu haben. Die mit der unvermeidlichen Ironie versehenen Aufmunterungen, die sie ihm hinterherriefen, liessen Birrenburg jedoch abrupt stehen bleiben und ihnen eine gehörige Lektion in nicht euklidischer Geometrie erteilen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch

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