Nr. 48/2015 vom 26.11.2015

Anliegen berechtigt, Strategie fantasielos

Von Bettina Dyttrich

Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, seit der Schweizerische Bauernverband zum letzten Mal zu einer Demo in Bern aufgerufen hat. Am 27. November ist es wieder so weit. Denn der Bundesrat möchte sparen und das Direktzahlungsbudget kürzen. Die Ausfälle könnten «mit weiteren Produktivitätsfortschritten» aufgefangen werden. Diese Behauptung ist zynisch: Unter dem steigenden Druck leiden nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere, und die immer grösseren Maschinen ruinieren den Boden.

Als wäre die Situation nicht schon schwierig genug: Die Betriebe werden grösser, die Verschuldung oft auch, die Arbeitsbelastung ist hoch, der Verdienst bleibt tief. Besonders bei den MilchproduzentInnen ist der Frust im siebten Jahr nach Ende der Milchkontingentierung gross. Jene, die die sinnvolle Forderung nach einer neuen Form der Mengensteuerung stellten, hatten im gegenwärtigen agrarpolitischen Klima keine Chance – eine Steuerung müsste für alle verbindlich sein, sonst ist sie keine. Die Milchindustrie freuts: Sie kann den Preis diktieren. Allerdings steckt sie wegen des starken Frankens selbst in der Klemme, genauso wie andere Branchen, die exportieren wollen.

Die Direktzahlungskürzungen zu bekämpfen, ist berechtigt. Doch die Strategie des Bauernverbands ist fantasielos. Eine stärkere Förderung der Produktion, wie er sie fordert, befreit die Landwirtschaft nicht aus ihrer undankbaren Rolle als Rohstofflieferantin der Lebensmittelindustrie. Dafür würde es Strukturen brauchen, die die LandwirtInnen gegenüber Verarbeitung und Handel stärken.

Das war einmal der Grundgedanke vieler bäuerlicher Genossenschaften seit dem 19. Jahrhundert. Inzwischen sind manche – wie etwa die Fenaco – zum Monsterbetrieb herangewachsen. Doch solidarische Ideen leben weiter, etwa in Projekten der regionalen Vertragslandwirtschaft. Oder bei Handelsgenossenschaften wie Biofarm, die ihre BäuerInnen fragen, welchen Preis sie für ihre Produkte brauchen. In den letzten Jahren hat der Bund viel getan, um Hecken, Blumen und Vögel zu fördern. Jetzt wären die fairen ökonomischen Beziehungen dran.

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