Nr. 48/2015 vom 26.11.2015

Fertig lustig?

Die Humordebatte vor zwei Jahren hat es gezeigt: Die Schweizer Comedyszene braucht dringend Entwicklungshilfe in Sachen Selbstreflexion. Eine Forschungsreise auf der Suche nach dem aufgeklärten Gelächter.

Von Daniela Janser, Florian Keller und Silvia Süess

«Ich wohne nun schon eine ganze Weile in der Schweiz und fühle mich richtig wohl hier.» Uta Köbernick steht auf der kleinen Bühne in der Genossenschaftsbeiz Frohsinn in Weinfelden. Der Saal ist ausverkauft, die Stimmung familiär. Die Kabarettistin hat die Akustikgitarre umgehängt, ihre rotbraunen Haare zurückgebunden, sie lächelt charmant. Kurze Pause, dann schaut Köbernick schelmisch ins Publikum: «Okay, das macht Ihnen nun richtig Angst.» Die Pointe sitzt. Das Thurgauer Publikum lacht.

Dieser Witz ist typisch für Uta Köbernick. Die grosse schlaksige Frau, die breitbeinig auf der Bühne steht und beim Reden heftig mit ihren langen Armen gestikuliert, lenkt ihre Geschichten oft in eine andere Richtung als erwartet. «Ich sing Lieder und sag Sachen.» So lapidar stellt die deutsche Kabarettistin ihr neues Programm «Grund für Liebe – politisch, zärtlich, schön» vor, mit dem sie zurzeit durch die Schweiz tourt. Köbernick greift darin aktuelle politische und gesellschaftliche Themen wie Fremdenangst auf, doch tut sie dies nie moralisierend oder besserwisserisch, sondern stets fragend. Mit scharfen Worten seziert sie den Zustand der Welt und lässt einen erschauern ob den Grausamkeiten, die dadurch zum Vorschein kommen.

Ab und zu begleitet sie sich auch mit der Geige, bei «Luegid vo Bärg und Tal» zum Beispiel, das sie entschuldigend mit den Worten einführt: «Ich habe mich an Ihrem Kulturgut vergriffen.» Uta Köbernick weiss, was sich für eine Deutsche in der Schweiz nicht gehört – und tut es.

Zürich, Rote Fabrik. Auf einem Sofa in der Shedhalle sitzen zwei Jungs, die schon viel länger als Uta Köbernick in der Schweiz leben: Sie sind hier geboren. Der Vorhang auf der Bühne glänzt so schön golden wie der albanische Adler an der Kette, die Baba Uslender um den Hals trägt. Neben dem Luzerner Rapper sitzt, doppelt so breit, Bendrit Bajra, Youtube-Star aus Schwamendingen. Mit knapp zwanzig Jahren ist er mit Abstand der Jüngste hier im Programm, aber jetzt ist er Bendrit der Weise, als er diesen einfachen Satz sagt: «Bevor ich über andere lachen kann, muss ich über mich selber lachen können.» Selbstironie als Grundvoraussetzung für die Lizenz zum Spott. Die Frage ist: Wer ist denn dieses Ich, über das ich lachen können muss? Bin ich die Summe dessen, was die Gesellschaft mir als Zuschreibungen anhängt?

In diesem Spannungsfeld zwischen selbstbestimmter und zugeschriebener Identität operieren fast alle, die hier bei «Laugh up! Stand up!» in der Shedhalle auftreten. Auflachen und aufstehen gegen Diskriminierung also: Wir sind am ersten rassismuskritischen Humorfestival der Schweiz, und das Publikum hier erfüllt schön brav alle Klischees, wie man sich so eine urbane, multikulturelle Gesellschaft vorstellt. Die Jungen sind in der Mehrheit, aber ein paar Ältere sind auch da, man trägt Sneakers und Trainerjacken, Herren in Anzügen sieht man keine, dafür vereinzelt ein Kopftuch. Ins Leben gerufen wurde das Festival nicht zuletzt als Reaktion auf die Humordebatte vor rund zwei Jahren. Auslöser damals war der «Täschligate»-Sketch von Birgit Steinegger mit schwarz gefärbtem Gesicht, und wenn die folgende Debatte etwas zeigte, dann dies: Eine alteingesessene Humorzunft, die so geschichtsblind ist, dass sie nicht einmal kapiert, wann und warum ein Sketch allenfalls rassistisch sein könnte, hat dringend Entwicklungshilfe in Sachen Selbstreflexion nötig.

Hier ist sie also, die Bühne für diese Selbstreflexion. Und irgendwie ist es bezeichnend, dass das Programm zu einem guten Teil mit Gästen aus Deutschland bestückt ist. Man merkt schnell: Es geht bei diesem Festival überhaupt nicht darum, die Humorpolizei im Dienst der politisch Korrekten zu spielen. Sondern darum, den falschen Gegensatz zu überwinden, wonach es nur zwei Möglichkeiten von Humor gebe: Entweder darf er tendenziell rassistisch sein, oder aber er ist sterilisiert durch die Ideologie der politischen Korrektheit (und dann ist er bekanntlich nicht mehr lustig). There is no alternative? Das wird in der Shedhalle gleich reihenweise widerlegt. Zum Beispiel von den Datteltätern aus Berlin, die sich auf Youtube ein Satirekalifat errichtet und den Bildungsdschihad ausgerufen haben. In ihren Videos ziehen sie den Islamischen Staat ins Lächerliche, aber auch die wohlfeile westliche Mitleidskultur: Da liefern sich zwei selbstgerechte Hipster ein Duell darüber, wer sich in den sozialen Medien nun fleissiger mit den Flüchtlingen solidarisiert hat. Touché, das Publikum ist mitgemeint.

Familie Blocher im Parkett

Zürich, Theater Hechtplatz. «Sind Terroristen im Saal? Oder Kopiloten?», fragt lächelnd der Mann im Anzug. Er hält sich an einem Champagnerglas fest, auf dem Kopf trägt er einen regenbogenfarbenen Kamm. Es ist die Premiere von Andreas Thiels neuem Programm «Der Humor», der Saal ist an diesem Abend frei von Terroristen. Im Parkett sitzen bloss Silvia Blocher mit Tochter, der stellvertretende Chefredaktor der «Weltwoche», auffallend viele Anzugträger und Jürg Randegger, Mitglied des legendären Schweizer (Lehrer-)Cabarets Rotstift. Wie ein Lehrer führt auch Thiel durch sein didaktisch-satirisches Programm, das «unter Morddrohungen» entstanden sei, nachdem er in der «Weltwoche» den Propheten Mohammed als Kinderschänder, Judenhasser und Massenmörder bezeichnet hatte und den Koran als Buch der Gewalt.

In dieser Sache ist eine Klage gegen Thiel hängig, was ihn nun auf der Bühne behaupten lässt, «mangels Rassisten» seien in der Schweiz vor allem Satiriker Opfer dieser «Anti-Satire-Strafnorm». Mitbetroffene sind bekanntlich Alexander Tschäppät mit seinen abgestandenen Italienerwitzen, die bereits erwähnte Birgit Steinegger – und Massimo Rocchi, der im Schweizer Fernsehen erklärt hatte, der jüdische Humor sei stets auf Zinsen aus. Eine klassisch antisemitische Äusserung, die Thiel in seinem Programm nun Sigmund Freud zuschreibt, dem jüdischen Erfinder der Psychoanalyse und Witztheoretiker. Das ist nachweislich falsch, hat für Thiel aber einen doppelten Vorteil: Auf diese Weise kann er Rocchi entlasten und im gleichen Atemzug Freud als antisemitischen Juden betiteln. Ist das nun schlicht perfid, oder war das als Pointe gedacht?

Pointen funktionieren gemäss Thiel mechanisch und unabhängig vom Inhalt, Lachen wird zur rein körperlichen Reaktion, zu einer Naturgewalt: «Über einen rassistischen Witz darf man nicht lachen, man muss.» Im Gegensatz etwa zur Verkündung einer fadengraden Wahrheit, die ebenfalls Lachen auslösen könne. Wie eine Veranschaulichung seiner These, dass Satire auch nicht immer lustig sein müsse, wirkt dagegen ein ins Absurde kippender «politisch korrekter» Monolog. Darin geht es um Tierversuche – als überzeugter Vegetarier und Tierliebhaber lehnt Thiel diese ab –, um medizinische Menschenversuche in Konzentrationslagern und um amerikanische Gefängnisse, wo Medikamente an Kleinkriminellen getestet würden, vor allem an «Schwarzen und Homosexuellen». Doch natürlich wolle er weder Schwarze mit Tieren vergleichen noch den Holocaust oder Menschenversuche verharmlosen oder Homosexuelle beleidigen. Krönendes Fazit dieser irren Aneinanderreihungen: «Political Correctness ist nur ein Synonym für Humorlosigkeit, die Humorlosigkeit ist die Schwester der Intoleranz, und die ist wiederum die Tante des Rassismus.»

Das Programm ist hundert Minuten lang, und Thiel verschiesst gleich zu Beginn schon viel Pulver. Immerhin hat dieser Auftakt den Vorzug der Deutlichkeit. Die Ansage lautet: Satire soll rassistisch und auf der Seite der Mächtigen sein dürfen. Das heisst, Thiel will als weisser, privilegierter, heterosexueller, christlicher Schweizer Mann weiterhin Witze über alle anderen machen können, damit im Namen der Meinungsfreiheit über Palästinenser, untervögelte Sozialdemokratinnen und tibetischen Buttertee gelacht werden kann. Oder sieht sich der ultraliberale Staatsskeptiker neuerdings gar selber als Angehöriger einer bedrohten Minderheit?

Humor sei die höchste Form der Erkenntnis, sagt Andreas Thiel. Was er damit gemeint haben könnte, sieht man in der Shedhalle. Die Erkenntnis, die sich hier einstellt: Schlechter Humor zementiert die kulturellen Stereotype, auf deren Kosten er uns zum Lachen bringen will; guter Humor verflüssigt sie oder entzieht ihnen den Boden. Aber ganz so einfach ist es auch wieder nicht, denn das eine schliesst das andere nicht aus. Manchmal, in den besten Momenten, kommt der gute Humor auch in Verkleidung von schlechtem Humor, und dann sind wir bei Jilet Ayse.

So heisst eine Kunstfigur der deutschen Schauspielerin Idil Baydar, angelegt als Karikatur einer Deutschtürkin aus Kreuzberg. Laut, prollig, ordinär ist sie der fleischgewordene Albtraum eines jeden Integrationsbeauftragten. Idil Baydar erobert damit das Publikum in Zürich im Sturm. Als Jilet Ayse dekonstruiert sie Stereotype, indem sie die kulturellen Vorurteile übererfüllt – und zwar in beide Richtungen. Wir, die privilegierte weisse Mehrheitsgesellschaft, haben Angst, dass wir aufgrund der schleichenden Islamisierung aussterben werden – da können wir doch was lernen von so einer muslimischen Bitch. Jilet Ayse zielt auf eine Begegnung auf Augenhöhe, mit Lerneffekt für beide Seiten: «Ich kann keine Grammatik, ihr könnt keine Vermehrung.» Aber wenn sie sich über Atheismus lustig macht, klingt sie dann fast wie Wittgenstein: «Du glaubst an nichts, aber du glaubst immer noch. Und wenn du schon an nichts glaubst, wieso glaubst du nicht wenigstens an was Schönes?»

Jauchzen statt lachen

Bei Andreas Thiel ist Pause. Ein langjähriger Fan hofft, dass Thiels «Versponnenheit und Poesie» in der zweiten Hälfte besser zur Geltung kämen. Er wurde vermutlich enttäuscht. Stattdessen gipfelt Thiels zunehmend langfädige Suche nach Grenzüberschreitungen in einer Wiederholung des Worts «Neger». Gefährlich rassistisch mag man das nicht nennen. Aber etwas armselig ist dieses trotzige Beharren auf der Freiheit, öffentlich «Neger» sagen zu dürfen, schon. Zudem wirkt es eher lächerlich als witzig. Anstelle von Lachern waren aus dem Publikum denn auch öfter Jauchzer oder Beifall zu hören. Etwa, als der «Weltwoche»-Kolumnist ausgiebig einen Muezzin nachäfft, der ihn während seiner Yogaferien aus dem Schlaf gerissen habe. Und ja, Thiels Yogagruppe wird gleichfalls satirisch vorgeführt.

Zu Thiels Figurenrepertoire gehören auch zwei weibliche Über-Ichs: seine Mutter und Doris Leuthard, die er wegen ihres Tweets «Satire ist kein Freipass» nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» ins Gebet nimmt. Die Frauen reden dazwischen, weisen ihn zurecht, doch Thiel ist kein Schauspieler, oft ist nicht klar, welche Figur gerade aus ihm spricht. Was diesem Abend im Zeichen der schulmeisterlichen Belehrungen und aus Ressentiments geschnitzten Pointen aber vor allem fehlt, ist Selbstironie. Erst ganz zum Schluss flackert sie auf, als Thiel ein paar griffige Definitionen in den Saal wirft: Satire sei «ein Frühlingsausritt in des Teufels Hintern» und der «Fussabdruck des Volks auf dem Hosenboden der Mächtigen». Der Satiriker selber sehe sich zwar gern als Fels in der Brandung, dabei sei er doch bloss ein Kieselstein in der Dachrinne. Fusstritte gegen die Mächtigen und der Satiriker als unbedeutender Kieselstein: Daraus hätte man vielleicht ein wirklich satirisches Programm zünden können.

Lass uns Zäune bauen

Nicht nach unten, sondern nach oben austeilen: Wie das geht, erlebt das Publikum im «Frohsinn» bei Uta Köbernick. «Erst wenn das Handeln vom Denken befreit wird, ist das Freihandel», sagt sie. Und manchmal braucht sie auch nur ein Wort, um den Mächtigen einen Fusstritt zu versetzen: «Investorenschutzklausel – statt Scheisse sag ich jetzt einfach dieses Wort.» Ältere Paare, er mit Jackett und Brille, sie mit farbigem Schal, applaudieren, lachen und nicken zustimmend.

Nach jedem Lied nimmt Uta Köbernick eine Rockerpose ein und schüttelt ihre Gitarre hin und her, als wolle sie dem Lied besonderen Nachdruck verleihen. Und ja, wie sie das macht, das ist tatsächlich lustig. Und dann schlägt sie ein scheinbar harmloses Liebeslied an, mit zarter Stimme und lieblichen Akkorden: «Augen zu, ich zähl bis drei, Liebling, bist du auch dabei, einfach los, sich mal was ganz Verrücktes trau’n. Liebling, ach es ist so schön, ich will mit dir an alle Grenzen gehen, an alle Grenzen gehn und dann: Lass uns Zäune bau’n.» Grossartig, wie Uta Köbernick die Einbunkerung Europas mit unserer konstanten Suche nach immer krasseren Freizeitvergnügen verbindet und das Bauen von Zäunen zu einem Happening von Verliebten verklärt. Lächelnd führt sie uns ein Horrorszenario vor, das plötzlich auch gar nicht mehr so weit weg liegt: «Auf ins Tessin, jetzt fahr’n wir mal zur Schweizer Grenze hin. Und, steht da schon ein Zaun?»

Mit Zäunen und Grenzen kennt sich Köbernick aus: Sie wuchs in Ostberlin auf; als sie dreizehn war, fiel die Mauer. Danach trieb sie sich im vereinten Berlin herum und sang in Bands. Heute wisse sie nicht mehr genau, wie stark ihre Orientierungslosigkeit damals mit dem Fall der Mauer oder mit ihrem Teenagerdasein zu tun gehabt habe, erzählt sie nach ihrem Auftritt in Weinfelden auf der Heimfahrt im Zug nach Zürich. Zumindest kennt sie das Fremdsein im eigenen Land. Später kam dann das Fremdsein im fremden Land hinzu: Vor fünfzehn Jahren zog sie nach Zürich, besuchte hier die Schauspielschule und kehrte nach einem einjährigen Engagement am Berliner Ensemble wieder nach Zürich zurück. Hier entstand 2006 ihr erstes Soloprogramm «Sonnenscheinwelt», und hier lebt sie noch immer, mittlerweile mit ihrem Sohn. Als der vor drei Jahren in den Kindergarten kam, erzählte er zu Hause, dass da auch noch eine Logopädin sei. «Er versuchte es mir zu erklären: ‹Die arbeitet mit ein paar Kindern an der Sprache, weil … na ja … manche kommen eben aus anderen Ländern›», erzählt sie auf dem Perron. «Da hab ich gesagt: ‹Wir sind ja auch aus einem anderen Land.› Da hat er mich komisch angeschaut und gesagt: ‹Ja, du!› Das sass.»

Ein selbst komponiertes Lied singt Köbernick übrigens in (fast) perfektem Berndeutsch: «Mir hei ja üs». Natürlich punktet sie damit beim Publikum im «Frohsinn». Den grossen Applaus kommentiert sie trocken: «Iwanderin erste Generation.»

«Ihr seid alles Rassisten»

In der Shedhalle steht jetzt ein Secondo mit Lederjacke auf der Bühne und beschimpft das Publikum: «Ihr seid alles Rassisten.» Schliesslich trügen wir alle unsere grossen und kleinen Vorurteile mit uns herum. Der Einzige hier, der kein Rassist sei, das sei er selber: «Ich hasse alle Menschen gleichermassen.» Erleichtertes Lachen im Saal. Rassismusvorwürfe von einem bekennenden Menschenfeind? Lachhaft! Obwohl, da lauert ein Denkfehler: Warum soll ein Misanthrop weniger Ahnung haben von Rassismus?

Der komische Menschenfeind heisst Robin Bhattacharya. Er nennt sich Wirtschaftsflüchtling, denn er stammt – man hörts – aus Bern. Mehr noch: Der 34-Jährige ist aus der Hochkultur temporär in die sogenannte Kleinkunst eingewandert, er ist sonst in der bildenden Kunst daheim. Man glaubt es kaum, aber dies ist sein allererster Auftritt als Stand-up-Comedian, ein Versuchsballon von zwölf Minuten. Danach: Jubel, Applaus, und im Saal werden erste Wetten abgeschlossen, wie schnell es wohl geht, bis er in die bekannte Satiresendung «Giacobbo/Müller» eingeladen wird.

Seinen Stoff holt Bhattacharya aus dem erlebten Alltag. Er kennt sich aus mit Diskriminierung, er ist Schweizer mit indisch-italienischen Wurzeln («eine recht kleine Minderheit»). Ob er es nicht übertreibt mit dem Rassismus in der Schweiz? Bei diesem Vorwurf, sagt er, komme er sich vor wie ein Ertrinkender, zu dem man sagt: «Wasser, immer kommst du mit Wasser.» Bei Bhattacharya ist Humor eine Waffe, mit der er sich der kulturellen Stereotype entledigt, die ihm angehängt werden. Und er spielt virtuos mit den ideologischen Hohlformeln, die im politischen Diskurs herumgeistern: Die Ängste der Bevölkerung, sagt er, müsse man ernst nehmen. Und seine therapeutische Lösung ist so einleuchtend wie pragmatisch: Die SVP und ihr Wahlvolk ausschaffen, dann sind auch die Ängste weg. Dass das rein logistisch gar keine so grosse Sache wäre, belegt er mit einer demografischen Milchbüchleinrechnung, die der Flüchtlingsarithmetik der SVP in nichts nachsteht.

In der Roten Fabrik kommt der Vorschlag nicht überall gut an. Tags darauf, als jemand aus dem Publikum die Idee aufgreift und eine Ausschaffung der SVP nach Deutschland postuliert, winkt Jilet Ayse blitzschnell ab: «Nein danke, Führer hatten wir schon.»

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