Nr. 48/2015 vom 26.11.2015

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Adventistische

Noch dauert es vier Wochen, doch längst weckt Weihnachten die skurrilsten Fantasien. Das «Tagblatt der Stadt Zürich» etwa rät: «Ikonen wie Sophia Loren oder Cappuccinotassen präsentieren sich als origineller Baumschmuck.» Wir raten: Lassen Sie vor dem Aufhängen einen Statiker kommen. Die Autofirma Mazda appelliert in Zeitungsanzeigen: «Machen wir Weihnachten wieder mitfühlend. Dinge besser machen ist unsere Leidenschaft.» Denen hat jemand Hasch ins Mailänderli gemischt. Den VerfasserInnen einer Pressemitteilung aus Deutschland auch: «Weihnachten rückt immer näher, Grund genug auch in den eigenen vier Wänden die Weihnachtsvorbereitungen auf Hochtouren zu bringen. Genau dafür sorgt das Hauptstadtlabel Kindskopf Berlin mit einem exklusiven Weihnachtsstiefel, der die eigene Silhouette oder die einer geliebten Person ziert.» Von der geliebten Person wird dann am Fest der Liebe erwartet, dass sie auch die andere Wange hinhält.
Jürg Fischer

Gesunkene

Ein «NZZ am Sonntag»-Leser schalt in einem Leserbrief: «Sauglattismus in allen Ehren, aber nicht auf diesem Niveau weit unter der Gürtellinie. Da könnte ich gleich die ‹WOZ› abonnieren.» Wogegen wir nichts einzuwenden hätten – da könnten wir uns auf Augenhöhe begegnen.
Jürg Fischer

Widerstandsfähige

In einem Schreiben der Gewerkschaft VPOD war möglicherweise der Wunsch Vater des Gedankens: «Im Anhang senden wir Ihnen die Vorankündigung einer Prostaktion von Lehrpersonen gegen die Abbaumassnahmen in der Bildung.» Manchmal hilft tatsächlich nur Alkohol, doch rufen wir die betroffenen Lehrpersonen auf, ihre Würde und Vorbildfunktion zu wahren.
Jürg Fischer

Starke

Über den Eishockeytrainer Larry Huras lasen wir in der NZZ: «Der Kanadier kokettierte einst mit einem Halsschmuck mit bedruckten Bären, der ihm als Glücksbringer diene.» Dass das Volk der Trapper und Jäger stahlharte Nackenmuskeln hat, konnten wir uns ja denken. Aber so einen Grizzly nach der Jagd noch zu bedrucken, braucht doch neben Kraft auch viel künstlerisches Gespür. Toll.
Karin Hoffsten

Brauende

Weil Schauspieler Gilles Tschudi zurzeit auf der Bühne einen Transvestiten gibt, widmete sich die «Schweizer Illustrierte» der «Frau in ihm»: «Jetzt trägt Gilles Tschudi perfekt gezupfte Wimpern (…).» Bei der Vorstellung dürfte es jeder Frau und manchem Manne kalt über den Rücken gelaufen sein. Also, lieber René Haenig von der «Schweizer Illustrierten», wir fangen noch mal ganz von vorn an: Was sind Wimpern? Wo sitzen die? Und wie nennt man die Gesichtshärchen, die manche Frau zupft? Nein, nicht Bart. Sehn Sie, geht doch.
Karin Hoffsten

Schmidtige (Fortsetzung III)

Nun ist er unter der Erde, der grosse Deutsche. Zuvor widmete die «Zeit» ihrem verstorbenen Mitherausgeber eine dicke Extrabeilage, in der sich folgende Bildlegende fand: «Diese Streifen, diese Brillen! Das Volk der achtziger Jahre trifft im Wahlkampf ’76 auf den Kanzler (…).» Wer daraus schliesst, das Volk sei Helmut Schmidt modisch um mindestens vier Jahre voraus gewesen, irrt, denn die abgebildeten Streifen und Brillen sind eindeutig siebzigergroovig. Dennoch: Ist es nicht schön, dass manche Dinge vorbei sind?
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch