Nr. 01/2016 vom 07.01.2016

Kopf ab, Gehirn kommt wieder!

Von Franziska Meister

Die sprichwörtliche Neugier von ForscherInnen scheint besonders unersättlich, wenn es um regenerationsfähige Lebewesen geht: In der letzten WOZ des Jahres 2015 berichteten wir an dieser Stelle über den Süsswasserpolypen Hydra, der sich aus nur wenigen Zellen vollständig wiederherstellen kann und deshalb dazu verdammt ist, Tausende von Jahren einsam in einer Glasschale im Laborkeller dahinzuvegetieren. Jetzt erreicht uns von der Universität Fribourg die Nachricht, dass ein ähnlich unscheinbares Tierchen – der plattwurmähnliche Symsagittifera roscoffensis – ebenfalls zu Erstaunlichem fähig ist: Schlägt man ihm den Kopf ab, wächst dieser nicht nur nach, sondern das Gehirn erlangt auch viele seiner Fähigkeiten wieder.

Herausgefunden hat dies der Biologe Simon Sprecher, indem er den eiförmigen Wurm grellem Licht aussetzte, schüttelte und ins Wasser schmiss – und zwar jeweils vor der Enthauptung, kopflos und mit nachgewachsenem Kopf. War das Tier in kopflosem Zustand nur noch fähig, sich zusammenzuziehen, sobald es geschüttelt wurde, gelang es ihm mit neuem Kopf erneut, sich rasch auf das Licht zuzubewegen. Allerdings schaffte es der Wurm auch fünf Wochen später noch nicht, nach unten zu tauchen. Den Forscher freut das Resultat trotzdem – nicht zuletzt, weil man überhaupt erst seit seinem Experiment weiss, dass der Symsagittifera roscoffensis offenbar ein Gehirn besitzt.

Wir wollen dem Wissenschaftler keinen Sadismus unterstellen. Auch wenn sein Experiment stark an Jack Jeebs erinnert, den Trödelhändler und Alien in Menschengestalt im Film «Men in Black», dem der weggeschossene Kopf jeweils sekundenschnell wieder nachwächst. Und der heftigst gegen diese «Behandlung» protestiert: «Das tut weh!»

Sprecher plant schon weitere Studien, um die Mechanismen der Gehirnregeneration genauer zu untersuchen. Was einen quasi-industriellen Guillotinismus zur Folge haben dürfte. Vielleicht sollte jemand der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich einen Hinweis stecken?

«Regenerationswunder im Tierreich», www.unifr.ch/news/de/15267.

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