Nr. 03/2016 vom 21.01.2016

Lasst uns über Drogen reden

Von Bettina Dyttrich

Ein Exjunkie und ein LSD-Freak schreiben zusammen ein «Aufklärungsbuch» über Drogen. Kann das gut gehen?

Es kann. «High sein» ist ein eindrückliches Kompendium. Offensiv thematisiert es das Grundbedürfnis, high zu werden, und fordert zur Auseinandersetzung mit diesem Bedürfnis auf – ein kluger Umgang ist entscheidend, um nicht abzustürzen. Das Buch bietet vielfältige Informationen über Genuss und Abhängigkeit, Drogen beim Sex und zur Leistungssteigerung, Erste Hilfe oder Drogenhandel im Internet.

Eingestreut zwischen den Kapiteln sind (etwas gar knappe) Kurzinfos zu einzelnen Substanzen, von Koffein bis Kokain. Und das eigentliche Kernstück: Erfahrungsberichte. Da erzählt Nina, wie ihr das Kiffen half, Blockaden während des Studiums zu überwinden – bei Lisa dagegen hat es eine Psychose ausgelöst. Zu denken gibt die Geschichte von Anke, die Sex nicht geniessen konnte und sich darum so sehr unter Druck fühlte, dass sie beim Heroin landete. Kai dagegen erlebt mit Crystal Meth gerade «die geilste Zeit überhaupt» – da meldet sich dann doch die besorgte Stimme im Hinterkopf: Kann man das unkommentiert so stehen lassen?

Ja, denn es gehört zum Konzept dieses Buchs, dass es niemanden bevormunden will. Doch verharmlosen will es genauso wenig. Die Geschichten sind sorgfältig ausgewählt und zeigen das ganze Spektrum von wunderbaren, im besten Sinn bewusstseinserweiternden Erfahrungen bis zum Totalabsturz, der in der Entzugsklinik endet. Das Kapitel «Umgangsregeln» richtet sich an Eltern und Jugendliche zugleich und zeigt das Credo der Autoren gut: Redet miteinander! Und seid ehrlich, auch als Erwachsene: «Alkohol und Tabak sind Drogen, es gibt keinen sicheren Konsum.»

Die Autoren nehmen die Drogen, vor allem aber ihre KonsumentInnen ernst: «Kritische Selbstbeobachtung, konsumfreie Zeiten und Orte sowie der Mut, seine Probleme zu lösen, statt sich zu betäuben, sind die Voraussetzung für einen gelungenen Drogenkonsum.» Diese Haltung steht quer zur Konsumgesellschaft, und das ist gut so.

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