Nr. 11/2016 vom 17.03.2016

Zinkweiss kommt ins Zweifeln

Von Stephan Pörtner

Nach dem Verfassen seines wegweisenden Pamphlets zur Bereinigung der Restzweifelsubstrate auf subatomarer Ebene spürte Professor Zinkweiss eine tiefe Befriedigung, in die sich jedoch bald ein gewisses Unbehagen mischte, weil er bei der dritten Revision dieses Textes feststellen musste, dass er ganze Abschnitte nicht mehr verstand. Besonders verwirrend an dieser Situation war, dass er nicht einschätzen konnte, ob er unterdessen intelligenter geworden war und darum die Inkohärenz seiner früheren Arbeit erkannte oder ob ihm ganz im Gegenteil Intelligenz abhandengekommen war und er deshalb von seiner vormaligen Brillanz überfordert wurde. So wurde der bahnbrechende Text nie veröffentlicht, und die Welt blieb schlecht.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein 2013 erschienener Krimi «Mordgarten» ist unter https://www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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