Nr. 12/2016 vom 24.03.2016

In die Suppe gespuckt

Von Stephan Pörtner

Bei der Verteilung der Auszeichnungen für besondere Verdienste um das Vermessen unwegsamer Grenzgebiete war Guggenbrügel einmal mehr übergangen worden. Nicht dass ihn das gewundert hätte, war doch von Anfang an klar, dass die ganze Veranstaltung nichts als eine traurige Farce war, bei der Verwandte und Spezis des Präsidenten, der noch nicht einmal das Grenzgebiet zwischen seiner Nase und seiner Oberlippe vermessen konnte, weil ihm sein rotztriefender Schnauz dabei im Weg stand, absahnen würden. So sass Guggenbrügel demütig und mit verschränkten Armen im Publikum und wartete auf das Schlussbankett, bei dem er der Bande mit Gusto in die Suppe spucken würde.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein 2013 erschienener Krimi «Mordgarten» ist unter https://www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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