Nr. 13/2016 vom 31.03.2016

Von Kaspar Surber

Debüts am Wortlaut

Wer wollte nicht schon einmal in einem Fünfsternehotel im Engadin übernachten, im «Kronenhof» in Pontresina, im «Waldhaus» in Sils, im «Palace» in St. Moritz oder wie die Hotelkästen mit ihren glanzvollen Namen alle heissen? Einem Rentner wird das dank eines Tombolagewinns möglich, doch seine schlechte Laune bessert das kaum, muss er doch nun vier Tage auswärts schlafen. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die während der Luxusferien förmlich aufblüht.

In seiner neuen Erzählung «Kur» lässt Arno Camenisch ein Ehepaar in 47 Bildern Lebensbilanz ziehen. Eine musikalische Lesung des Autors eröffnet die achte Austragung des St. Galler Literaturfestivals «Wortlaut». Das Festival feiert die Literatur erneut in allen möglichen Ausdrucksformen. Mit klassischen Lesungen – unter anderem von Monique Schwitter, Rolf Lappert oder Radek Knapp – sowie mit Spoken-Word-Auftritten und Comiclesungen. Mit Rebecca C. Schnyder («Alles ist besser als die Nacht») und Laura Vogt («So einfach war es also zu gehen») stellen gleich zwei junge Ostschweizer Autorinnen ihre Debütromane vor. Beide handeln von jungen Frauen, die sich verlieben. Die eine kann sich eine Beziehung höchstens für vier Wochen vorstellen, die andere Frau folgt ihrem Geliebten gleich nach Kairo, wo sich der Arabische Frühling anbahnt.

Stets ein Highlight am Festival, spät in der Nacht, sind die Gassenhauer der SchauspielerInnen Marcus Schäfer und Diana Dengler, die sie sich aus einem der ehrwürdigen Erker in der Altstadt entgegenrufen.

Wortlaut-Literaturfestival in: St. Gallen verschiedene Orte, 31. März bis 3. April 2016. www.wortlaut.ch

Kurzfilme auf Tour

Noch einmal Tourismus, diesmal aber an einem noch kaum bekannten Ort. Um den Fremdenverkehr in seiner Republik Subotika anzukurbeln, gibt der Aussenminister einen Reklamefilm über sein zauberhaftes Land in Auftrag. «Subotika – Land of Wonders» von Peter Volkart ist einer der Kurzfilme, die auf der diesjährigen Kurzfilmtournee zu sehen sind. Das mehrstündige Programm präsentiert in vier Blöcken Filme zum Thema Altern, neuste Schweizer Experimente sowie einen Abriss des fantastischen Kinos. Gezeigt werden zudem Perlen aus der Geschichte der Kurzfilmtage Winterthur. Das Festival feiert dieses Jahr sein Zwanzigjahrejubiläum. Die Tournee startet in Zürich und zieht dann fast durch die ganze Deutschschweiz, von Biel bis Uster, von Schaffhausen bis Luzern.

Kurzfilmnacht-Tour. Start am Fr, 1. April 2016, in: Zürich Kino Arthouse Le Paris und Uto. Weitere Termine auf www.kurzfilmnacht.ch.

Meuterei der Geschlechter

«Frau und Mann gibt es nicht!»: Diese Feststellung bildet den Ausgangspunkt des Theaterabends «Gender Mutiny». Die Transschauspielerin Stella Luna Palino hat nach jahrelanger Beschäftigung mit den Geschlechterrollen einen eigenen Abend zu diesem Thema erarbeitet. Sie zeigt die «beiden Geschlechter» in einem Körper – ihrem Körper – mit ihren schöpferischen Möglichkeiten und Varianten. Ihre eigenen Erfahrungen kontrastiert sie mit einer Auswahl von literarischen Texten, von Fernando Pessoa bis Laurie Penny.

Die Pianistin und Schauspielerin Maren Gamper begleitet Stella Luna Palino am Flügel und macht den Abend zu einem opernhaften Erlebnis.

«Gender Mutiny» in: Baden Kurtheater. Fr/Sa, 1./2. April 2016, je 20 Uhr. www.kurtheater.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch