Nr. 13/2016 vom 31.03.2016

Wer zahlt, befiehlt

Der französische Unternehmer und Multimilliardär Vincent Bolloré verfolgt in Afrika eine skrupellose Geschäftspolitik. Medien, die ihn kritisieren, werden gekauft oder mundtot gemacht.

Von Bernard Schmid

Vincent Bolloré

«Darf man noch über die Aktivitäten des Bolloré-Konzerns berichten?», fragte das unabhängige Onlinemagazin «Bastamag» kürzlich. «Bastamag» war vom französischen Unternehmer Vincent Bolloré wegen übler Nachrede vor Gericht gezerrt worden. Die Hauptverhandlung fand im Februar statt, das Urteil wird am 7.  April erwartet.

Der Multimilliardär Vincent Bolloré ist in zahlreichen Sektoren tätig. Wirtschaftlich gross geworden ist er im Rahmen der kolonialen und neokolonialen Politik Frankreichs in den vergangenen dreissig Jahren. Zu Beginn investierte Bolloré in Tabak, heute kontrolliert er mit seinem Mischkonzern, der Groupe Bolloré, im französischsprachigen Afrika vielerorts die Infrastruktur, Transportwege und mehrere Häfen an der Atlantikküste.

Just um Bollorés Geschäftspraktiken in Afrika ging es auch im Hintergrundbericht von «Bastamag»: Im Fokus stand die Beteiligung französischer Unternehmen am Land Grabbing in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Eingedeckt mit Strafanzeigen

Wer Bollorés Methoden, seinen Mischkonzern in dominante Marktpositionen zu hieven, kritisiert, bekommt es mit der geballten Macht des Unternehmers zu tun. Nebst «Bastamag» hat das in den letzten Jahren eine Reihe weiterer Medien zu spüren bekommen. «Le Monde» etwa verlor 7,6 Millionen Euro an Werbeeinnahmen (von Bolloré), weil die Zeitung im Oktober 2013 darüber berichtet hatte, wie sich der Unternehmer in Côte d’Ivoire unlauterer politischer Einflussnahme bedient hatte, um ein Monopol über den Hafen von Abidjan zu erlangen.

Und die Internetzeitung «Mediapart» sowie die Wochenmagazine «L’Obs» (der frühere «Nouvel Observateur») und «L’Express» sind von Vincent Bolloré mit Strafanzeigen eingedeckt worden. Sie berichteten über die in Luxemburg ansässige Firma Socfin, die in Westafrika Land Grabbing betreibt und an Abholzungen beteiligt ist. Bolloré gehören knapp vierzig Prozent der Anteile an Socfin.

Mitte 2014 ist der Multimilliardär schliesslich selbst ins Mediengeschäft eingestiegen: Er hat die Kontrolle über den Mischkonzern Vivendi übernommen und sich zum Aufsichtsratsvorsitzenden gemacht. Zu dem Konzern zählen die beiden TV-Sender Canal+ und i-Télé, das französische Youtube-Pendant Dailymotion sowie Universal Music Group. Gut acht Millionen KundInnen machen von Vivendis diversen Angeboten Gebrauch.

Seit Vincent Bolloré die Geschicke des Konzerns lenkt, hat Vivendi indes über 400 000 AbonnentInnen verloren. Und das nicht nur, weil er eine neue Bezahlpolitik für bislang kostenlose Programme bei Canal+ eingeführt hat.

Zensiert oder ganz gestrichen

Denn Bolloré hat sein Medienunternehmen gründlich ausgekehrt und unbequeme Stimmen zum Schweigen gebracht. Was dem Herrn im Haus nicht passt, wird zensiert oder gleich ganz aus dem Programm gestrichen. Wie jener kritische Dokumentarfilm über das Finanzgebaren von Crédit Mutuel CIC im vergangenen Mai – es ging um Beihilfe zur Steuerflucht. Laut «Mediapart» hatte Bolloré auf der Redaktion von Canal+ angerufen und die Absetzung der Sendung mit seinen persönlichen Geschäftsbeziehungen zum Chef der Bank begründet. Dieser, so «Mediapart», finanziert Bollorés Expansionsstrategie, indem er ihm mit Krediten neue Unternehmenseinkäufe ermöglicht.

Unterdessen versucht die Redaktion von Canal+ mit verschiedenen Mitteln, sich vor dem neuen Boss zu schützen. So hat sie eine JournalistInnengesellschaft (SDJ, Société des journalistes) gegründet, die mit dem Unternehmen verhandelt. Und sie hat eine «Ethik-Charta» entworfen, die die Unabhängigkeit der redaktionellen Arbeit garantieren soll – die Direktion hat darauf bislang nicht reagiert.

Anfang März hat ein Ausschuss der französischen Nationalversammlung einen Vorentwurf für ein Gesetz debattiert, das denselben Zwecken dienen soll und eine «Ethikkommission» in Medienkonzernen vorsieht. Es ist jedoch fraglich, ob das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode, die in einem Jahr zu Ende geht, durchkommt.

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